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Mobilisation und Transfer in der Pflege: rückenschonend bewegen
Alltag in der Pflege

Mobilisation und Transfer in der Pflege: rückenschonend bewegen

Wer einen Menschen pflegt, bewegt ihn jeden Tag mehrmals. Aufsetzen im Bett, der Weg vom Bett in den Stuhl, der Gang zur Toilette.

Thomas Eckert27.07.20269 Min. Lesezeit

Wer einen Menschen pflegt, bewegt ihn jeden Tag mehrmals. Aufsetzen im Bett, der Weg vom Bett in den Stuhl, der Gang zur Toilette. Genau dieser Transfer in der Pflege überfordert viele Angehörige körperlich. Mit der Zeit schmerzt der eigene Rücken. Dabei geht es bei der Mobilisation weniger um Kraft als um Technik. Ich zeige Ihnen, wie Sie rückenschonend arbeiten, welche Grundsätze einen Transfer sicher machen und welche Hilfsmittel Ihnen die Last abnehmen.

Was Mobilisation und Transfer bedeuten

Die beiden Begriffe werden oft vermischt, meinen aber Unterschiedliches. Mobilisation bezeichnet alles, was einen Menschen in Bewegung bringt oder hält, vom kleinen Lagewechsel im Bett bis zum Gehen mit Unterstützung. Transfer meint den konkreten Ortswechsel von einer Fläche auf eine andere, etwa vom Bett auf die Bettkante, von dort in den Rollstuhl oder vom Stuhl auf die Toilette.

Beides hat ein gemeinsames Ziel. Die verbliebene Beweglichkeit soll erhalten bleiben, denn jeder Tag im Liegen kostet Muskelkraft und Selbstständigkeit. Der DNQP-Expertenstandard „Erhaltung und Förderung der Mobilität in der Pflege" (1. Aktualisierung 2020) versteht Mobilität als die Fähigkeit, die eigene Körperlage zu verändern und sich fortzubewegen. Diese Fähigkeit zu stützen, ist Aufgabe jeder guten Pflege.

Aktivieren statt heben: der wichtigste Grundsatz

Der häufigste Fehler ist, dem anderen Menschen alles abzunehmen. Das ist gut gemeint, schadet aber beiden Seiten. Wer ständig komplett gehoben wird, verlernt die eigene Bewegung schneller. Und Sie tragen ein Gewicht, das Sie gar nicht allein tragen müssten.

Besser ist der umgekehrte Weg. Lassen Sie die Person so viel wie möglich selbst tun und greifen Sie nur dort ein, wo es wirklich nötig ist. Laut Stiftung ZQP fördert schon ein passend eingestelltes Bett und ein erhöhter Sitz das selbstständige Hinsetzen und Aufstehen. Diese aktivierende Haltung kostet zunächst mehr Geduld. Sie erhält aber Kraft und Würde und spart Ihnen auf Dauer Kraft. Aus meiner Erfahrung wächst die Mitarbeit deutlich, wenn man der Person Zeit lässt und jeden Schritt vorher ankündigt.

Wichtig zu wissen: Ein Nein ist zu respektieren. Niemand muss sich bewegen, wenn Schmerzen, Erschöpfung oder Angst dagegensprechen. Vor einem regelmäßigen Bewegungsprogramm lohnt zudem die Rücksprache mit dem Hausarzt, weil bei manchen Erkrankungen nicht jede Übung erlaubt ist.

Rückenschonend arbeiten: so schützen Sie sich selbst

Ihre eigene Gesundheit ist die Grundlage der Pflege. Eine über Monate falsche Hebehaltung geht auf die Wirbelsäule. Im schlimmsten Fall fallen Sie als Pflegeperson selbst aus. Die folgenden Regeln haben sich bewährt und lassen sich mit etwas Übung schnell verinnerlichen.

  • Auf Arbeitshöhe bringen. Stellen Sie ein Pflegebett so hoch, dass Sie aufrecht stehen können. Bücken über ein flaches Bett ist die häufigste Ursache für Rückenschmerzen.
  • Festen Stand suchen. Stellen Sie die Füße etwa hüftbreit auseinander und gehen Sie leicht in die Knie. Ein breiter, stabiler Stand gibt Ihnen Halt und Hebelkraft.
  • Aus den Beinen arbeiten. Den Schwung holen Sie aus Beinen und Hüfte, der Rücken bleibt gerade. Heben Sie nie aus dem gekrümmten Kreuz heraus.
  • Nah am Körper bleiben. Je näher das Gewicht an Ihnen ist, desto kleiner der Hebel und desto geringer die Last. Halten Sie die Person dicht bei sich.
  • Nicht verdrehen. Drehen Sie nie nur den Oberkörper unter Last. Setzen Sie stattdessen die Füße um und wenden Sie den ganzen Körper.

Mein Tipp: Bei schweren Transfers arbeiten Sie besser zu zweit als allein mit aller Kraft. Eine zweite Person halbiert die Last und beugt Fehlbewegungen vor. Bewegungen sollten außerdem ruhig und gleichmäßig sein, ruckartiges Ziehen gefährdet beide.

Was ist Kinästhetik?

Hinter dem sperrigen Wort steckt eine einfache Idee. Kinästhetik ist ein Bewegungskonzept, das nicht auf Heben setzt, sondern auf Verlagern. Statt das fremde Gewicht zu stemmen, bringen Sie es durch kleine, fließende Bewegungen ins Rollen und führen es in Etappen ans Ziel. Eine Drehung über die Seite, ein Verschieben des Beckens, ein Nutzen der natürlichen Schwerkraft.

Der Kern der Kinästhetik-Grundlagen ist die Eigenbewegung des pflegebedürftigen Menschen. Sie spüren mit, in welche Richtung sich der Körper ohnehin bewegen will. Genau diese Richtung unterstützen Sie. So wird aus einem kraftraubenden Hochwuchten ein gemeinsames, beinahe leichtes Bewegen. Diese Handgriffe lassen sich schwer aus Texten lernen. In meinem persönlichen Umfeld habe ich erlebt, wie sehr ein praktischer Kurs den Unterschied macht, in dem eine Fachperson die Bewegung am eigenen Körper zeigt.

Typische Transfers Schritt für Schritt

Die folgenden Situationen kommen im Alltag am häufigsten vor. Verstehen Sie die Beschreibungen als Orientierung, nicht als Ersatz für eine praktische Anleitung.

Im Bett höher oder zur Seite bewegen. Bitten Sie die Person, die Knie aufzustellen und sich mit den Füßen abzustützen. Über diese Eigenbewegung gleitet der Körper mit wenig Kraft nach oben. Eine Gleitmatte unter dem Becken reduziert die Reibung zusätzlich.

An die Bettkante aufsetzen. Drehen Sie die Person zunächst zur Seite, schwenken Sie dann die Beine aus dem Bett, während sich der Oberkörper über den abgestützten Arm aufrichtet. Bein- und Oberkörperbewegung wirken dabei wie ein Hebel zusammen.

Von der Bettkante in den Stuhl. Stellen Sie den Stuhl oder Rollstuhl dicht und im leichten Winkel neben das Bett und sichern Sie die Bremsen. Lassen Sie die Person sich nach vorn lehnen und die Arme um Ihre Taille oder an eine Haltestange legen. Über ein kurzes Aufrichten und eine Vierteldrehung kommt sie in den Sitz, ohne dass Sie sie tragen.

Bei jedem dieser Schritte gilt das Gleiche. Kündigen Sie an, was als Nächstes passiert. Geben Sie der Person Zeit zum Mitmachen. Wer plötzlich gezogen wird, verspannt und macht sich schwer.

Hilfsmittel, die den Transfer erleichtern

Gute Technik und passende Hilfsmittel gehören zusammen. Ein höhenverstellbares Pflegebett ist die Basis, weil es Ihnen erst eine rückengerechte Arbeitshöhe verschafft. Wie Sie es bekommen, beschreibt unser Beitrag zum Pflegebett beantragen. Daneben helfen je nach Situation:

  • Rutschbrett (Rollboard): überbrückt als feste Brücke den Spalt zwischen Bett und Rollstuhl, die Person rutscht sitzend hinüber.
  • Gleitmatte oder Gleittuch: verringert die Reibung beim Bewegen im Bett, der Körper gleitet statt zu schleifen.
  • Drehscheibe: erleichtert die Vierteldrehung beim Umsetzen vom Bett in den Stuhl.
  • Aufrichthilfe am Bett: ein Haltegriff oder Bettgalgen, an dem sich die Person selbst hochzieht.
  • Lifter: übernimmt das Anheben vollständig, wenn ein Transfer aus eigener Kraft nicht mehr möglich ist.

Bei der Finanzierung kommt es auf das einzelne Hilfsmittel an. Das Pflegebett zählt zu den technischen Pflegehilfsmitteln der Pflegekasse nach § 40 SGB XI und wird vorrangig leihweise gestellt, bei einer Leihgabe entfällt die Zuzahlung. Andere Umsetz- und Hebehilfen ordnet die Krankenkasse oft als Hilfsmittel nach § 33 SGB V ein, dann braucht es eine ärztliche Verordnung und es fällt eine Zuzahlung von zehn Prozent an, mindestens fünf und höchstens zehn Euro. Ich rate, vor dem Kauf bei der Pflegekasse nachzufragen, welcher Weg im Einzelfall gilt.

Wo Sie sichere Transfertechnik lernen

Niemand muss diese Handgriffe vorher beherrschen. Pflegende Angehörige haben Anspruch auf einen kostenlosen Pflegekurs nach § 45 SGB XI. Dort üben Sie rückenschonendes Heben, Lagern und den Umgang mit Hilfsmitteln unter Anleitung. Die Pflegekassen bieten Gruppenkurse und auf Wunsch eine individuelle Schulung bei Ihnen zu Hause an, bei der eine Pflegefachkraft die Handgriffe an Ihrer konkreten Situation zeigt.

Das sichere Bewegen hängt eng mit der Sturzvermeidung zusammen, denn die meisten kritischen Momente entstehen beim Aufstehen und Umsetzen. Worauf Sie dabei achten, vertieft unser Beitrag zur Sturzprophylaxe. Wie sich Lagern und Bewegen in die tägliche Körperpflege einfügt, lesen Sie im Beitrag zur Grundpflege und Körperpflege. Den Überblick über alle Bausteine des Pflegealltags gibt unser Beitrag dazu, wie Sie die Pflege zu Hause organisieren.

Fazit: Transfer in der Pflege gelingt mit Technik, nicht mit Kraft

Rückenschonende Mobilisation ist erlernbar und schützt beide Seiten zugleich. Wer aktiviert statt hebt, aus den Beinen arbeitet, nah am Körper bleibt und passende Hilfsmittel nutzt, bewegt einen Menschen sicher und schont den eigenen Rücken. Buchen Sie als nächsten Schritt einen kostenlosen Pflegekurs Ihrer Pflegekasse und klären Sie dort gleich, welche Transferhilfen für Ihre Situation sinnvoll sind. So gewinnen Sie Sicherheit und schützen Ihren Rücken auf Dauer.


Quellen

Häufige Fragen

Verlagern Sie das Gewicht über die Eigenbewegung der Person, statt es allein zu heben. Holen Sie die Kraft aus den Beinen, bleiben Sie nah am Körper und üben Sie die Handgriffe im Pflegekurs.
Kinästhetik ist ein Bewegungskonzept der Pflege, das einen Menschen nicht anhebt, sondern sein Gewicht über die eigene Bewegung verlagert. Im Mittelpunkt steht die Eigenbewegung der pflegebedürftigen Person.
Ein höhenverstellbares Pflegebett, Rutschbrett, Gleitmatte, Drehscheibe, eine Aufrichthilfe am Bett und bei Bedarf ein Lifter. Sie machen den Transfer sicherer und sparen Kraft.
Das Pflegebett stellt die Pflegekasse als technisches Pflegehilfsmittel vorrangig leihweise, ohne Zuzahlung. Andere Umsetzhilfen laufen oft über die Krankenkasse mit Verordnung und einer Zuzahlung von höchstens zehn Euro.
Jede Pflegekasse bietet dafür einen kostenlosen Pflegekurs nach § 45 SGB XI an. Auf Wunsch kommt eine Pflegefachkraft für eine Einzelschulung zu Ihnen nach Hause und übt die Handgriffe vor Ort.

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