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Pflege bei Hitze: Tipps für heiße Tage

Heiße Sommertage sind für ältere und pflegebedürftige Menschen weit mehr als unangenehm.

Patricia Brunero24.06.20269 Min. Lesezeit

Heiße Sommertage sind für ältere und pflegebedürftige Menschen weit mehr als unangenehm. Bei der Pflege bei Hitze geht es darum, ernste Gefahren wie Austrocknung, Kreislaufprobleme und im schlimmsten Fall einen Hitzschlag zu verhindern. Der Körper älterer Menschen reagiert langsamer auf Wärme und meldet Durst seltener, gerade dann, wenn er am meisten Flüssigkeit braucht.

In meinem persönlichen Umfeld habe ich erlebt, wie schnell aus ein paar heißen Tagen ein Krankenhausaufenthalt werden kann. Ich zeige Ihnen, wie Sie einen pflegebedürftigen Menschen an heißen Tagen schützen, worauf Sie beim Trinken und beim Raumklima achten und welche Warnzeichen sofortiges Handeln verlangen.

Warum Hitze für ältere und pflegebedürftige Menschen so gefährlich ist

Der Körper hält seine Temperatur normalerweise von selbst im Gleichgewicht. Mit zunehmendem Alter funktioniert diese Regulierung langsamer. Das Schwitzen setzt später ein und fällt geringer aus, sodass die körpereigene Kühlung schlechter greift. Gleichzeitig lässt das Durstgefühl nach. Viele ältere Menschen trinken deshalb zu wenig, ohne es zu bemerken.

Hinzu kommen häufige Vorerkrankungen. Hitze belastet das Herz-Kreislauf-System zusätzlich und kann bestehende Erkrankungen von Herz, Nieren oder Atemwegen verschärfen. Laut Robert Koch-Institut steigt in ausgeprägten Hitzeperioden die Zahl der Sterbefälle messbar an, am stärksten betroffen sind hochbetagte Menschen.

Pflegebedürftige Menschen trifft das doppelt. Wer bettlägerig ist oder sich kaum allein bewegen kann, schafft es oft nicht, selbst etwas zu trinken oder in einen kühleren Raum zu wechseln. Bei einer Demenz kommt hinzu, dass Hitze und Durst gar nicht als solche erkannt werden. Genau hier sind Sie als pflegende Angehörige gefragt.

Ein weiterer Punkt wird leicht übersehen. Hitze macht schwindelig und senkt den Blutdruck. Das erhöht die Sturzgefahr spürbar. Wie Sie Stürze im Alltag vermeiden, lesen Sie in unserem Beitrag zur Sturzprophylaxe.

Genug trinken bei Hitze: die wichtigste Einzelmaßnahme

Ausreichend zu trinken ist der wirksamste Schutz vor hitzebedingten Beschwerden. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt ab 65 Jahren einen Richtwert von rund 1,3 Litern über Getränke pro Tag. An heißen Tagen, bei Fieber oder Durchfall liegt der Bedarf höher.

Trinkmenge ab 65 JahrenRichtwert
Über Getränke pro Tagrund 1,3 Liter
Gesamtwasser inklusive fester Nahrungrund 2,25 Liter
An heißen Tagendeutlich mehr, nach ärztlicher Rücksprache

Weil das Durstgefühl im Alter nachlässt, hilft Erinnern allein oft nicht weiter. Stellen Sie gefüllte Gläser oder Flaschen gut sichtbar in Reichweite. Bieten Sie über den Tag verteilt regelmäßig kleine Mengen an, statt auf ein großes Glas zu setzen. Wasserreiche Lebensmittel wie Gurke, Melone oder Tomate ergänzen die Flüssigkeit zusätzlich. Auch ein Trinkprotokoll schafft schnell Klarheit darüber, wie viel tatsächlich getrunken wurde.

Mein Tipp: Ungesüßter Früchtetee, leichte Saftschorlen oder Brühe bringen Abwechslung und werden oft lieber angenommen als reines Wasser.

Eine wichtige Ausnahme betrifft Menschen mit Herz- oder Niereninsuffizienz. Hier kann die tägliche Trinkmenge ärztlich begrenzt sein. Sprechen Sie in diesem Fall mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt ab, wie viel an heißen Tagen sinnvoll ist. Welche Rolle die Ernährung insgesamt für pflegebedürftige Menschen spielt, behandelt unser Beitrag zur Ernährung in der Pflege.

Die Wohnung kühl halten und den Tagesablauf anpassen

Kühle Räume sind nach dem Trinken der zweite große Hebel. Lüften Sie früh morgens und nachts, wenn die Luft draußen kühler ist. Tagsüber bleiben Fenster, Rollläden und Vorhänge auf der Sonnenseite geschlossen. So heizt sich die Wohnung weniger auf. Ein Ventilator unterstützt, ersetzt das Lüften in den kühlen Stunden aber nicht.

Leichte, luftige Kleidung aus Baumwolle oder Leinen lässt Wärme besser entweichen als enge oder synthetische Stoffe. Zur direkten Kühlung helfen feuchte, kühle Tücher auf Stirn, Nacken und Unterarmen. Ein lauwarmes Fußbad oder Waschen mit kühlem Wasser entlasten den Kreislauf zusätzlich. Eiskalte Anwendungen vermeiden Sie besser, weil sie den Körper zur Gegenreaktion zwingen.

Planen Sie den Tag bewusst um die Hitze herum. Spaziergänge, Arzttermine und körperliche Aktivität gehören in die kühlen Morgen- oder Abendstunden. Die pralle Mittagssonne meiden Sie zwischen etwa 11 und 17 Uhr.

Medikamente bei Hitze prüfen lassen

Manche Arzneimittel verändern, wie gut der Körper mit Hitze zurechtkommt. Entwässernde Mittel können den Flüssigkeitsverlust verstärken. Bestimmte Blutdrucksenker und Psychopharmaka beeinflussen Kreislauf und Temperaturregulation. Bei Hitze kann sich dadurch die Wirkung einzelner Medikamente verändern.

Ändern Sie Dosis oder Präparat bitte nie in Eigenregie. Lassen Sie die Medikation vor dem Sommer stattdessen in der Arztpraxis oder Apotheke überprüfen. Dort erfahren Sie auch, ob ein Präparat besonders kühl gelagert werden muss.

Hitzewarnungen des DWD richtig nutzen

Der Deutsche Wetterdienst gibt amtliche Hitzewarnungen heraus, sobald eine starke Wärmebelastung droht und sich die Wohnräume nachts nicht mehr ausreichend abkühlen. Maßgeblich ist nicht die reine Lufttemperatur, sondern die sogenannte gefühlte Temperatur. Sie bezieht Luftfeuchtigkeit, Wind und Sonneneinstrahlung mit ein.

WarnstufeGefühlte TemperaturBedeutung
Starke Wärmebelastungab etwa 32 °Cerhöhte Belastung, vor allem ohne nächtliche Abkühlung
Extreme Wärmebelastungab etwa 38 °Chohe Gefahr für die Gesundheit
Besonders für ältere Menschenoft schon ab rund 36 °Cextreme Belastung bereits möglich

Die aktuellen Warnungen finden Sie auf der Seite hitzewarnungen.de und in der kostenlosen Warn-App des Deutschen Wetterdienstes. Ein Newsletter informiert ebenfalls frühzeitig. Eine solche Vorwarnung halte ich für besonders wertvoll. Wer einen Tag früher Bescheid weiß, kann Getränke bereitstellen und den nächsten Tag in Ruhe planen.

Warnzeichen erkennen: von der Hitzeerschöpfung zum Hitzschlag

Trotz aller Vorsorge kann es zu einem hitzebedingten Notfall kommen. Wichtig ist, die Stufen zu unterscheiden und früh zu reagieren. Eine Hitzeerschöpfung ist die Vorstufe und kann unbehandelt in einen lebensbedrohlichen Hitzschlag übergehen.

MerkmalHitzeerschöpfungHitzschlag
Hautblass, feucht, eher kühlheiß, trocken, gerötet
BefindenSchwäche, Kopfschmerz, Schwindel, ÜbelkeitVerwirrtheit, Bewusstseinstrübung, Krämpfe
Was tunan kühlen Ort bringen, hinlegen, Beine hoch, in kleinen Schlucken trinkensofort 112 rufen, kühlen, Beine hochlagern

Bei einer Hitzeerschöpfung bringen Sie die Person an einen kühlen, schattigen Ort. Lagern Sie die Beine leicht erhöht und geben Sie in kleinen Schlucken zu trinken. Bessert sich der Zustand nicht innerhalb kurzer Zeit, rufen Sie den Rettungsdienst.

Ein Hitzschlag ist immer ein Notfall. Heiße, trockene Haut zusammen mit Verwirrtheit, Bewusstseinstrübung oder Krämpfen sind Alarmzeichen. Wählen Sie sofort die 112 und kühlen Sie den Körper bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes.

Wichtig zu wissen: Bei pflegebedürftigen und hochbetagten Menschen sollten Sie im Zweifel immer den Notruf wählen, weil der Verlauf hier schwer abzuschätzen ist.

Fazit: Pflege bei Hitze heißt vorausschauend handeln

Hitze ist für ältere und pflegebedürftige Menschen eine echte Gesundheitsgefahr, doch die wirksamsten Schutzmaßnahmen sind einfach. Sorgen Sie für ausreichendes Trinken, kühle Räume und einen an die Temperaturen angepassten Tagesablauf. Prüfen Sie vor dem Sommer die Medikamente und behalten Sie die Hitzewarnungen im Blick. Wer die Warnzeichen einer Hitzeerschöpfung kennt und früh reagiert, verhindert oft den gefährlichen Hitzschlag. Bereiten Sie sich am besten vor der nächsten Hitzewelle vor, dann bleibt im Ernstfall keine Zeit verloren.

Quellen

Häufige Fragen

Am wichtigsten sind ausreichendes Trinken, kühle und abgedunkelte Räume, leichte Kleidung und ein Tagesablauf, der die Mittagshitze meidet. Prüfen Sie zusätzlich die Medikamente und beachten Sie die Hitzewarnungen.
Als Richtwert gelten ab 65 Jahren rund 1,3 Liter über Getränke pro Tag, an heißen Tagen mehr. Bei Herz- oder Niereninsuffizienz kann die Menge ärztlich begrenzt sein und sollte abgesprochen werden.
Typisch sind heiße, trockene und gerötete Haut, eine sehr hohe Körpertemperatur sowie Verwirrtheit, Bewusstseinstrübung oder Krämpfe. Ein Hitzschlag ist ein Notfall, rufen Sie sofort den Rettungsdienst unter 112.
Stellen Sie Getränke sichtbar in Reichweite, bieten Sie über den Tag kleine Mengen an und nutzen Sie wasserreiche Lebensmittel sowie Schorlen oder Tee. Ein Trinkprotokoll zeigt schnell, ob genug zusammenkommt.
Vor allem entwässernde Mittel, bestimmte Blutdrucksenker und Psychopharmaka können die Hitzeverträglichkeit beeinflussen. Setzen Sie nichts eigenmächtig ab, sondern lassen Sie die Medikation in Arztpraxis oder Apotheke prüfen.
Der Deutsche Wetterdienst warnt ab einer gefühlten Temperatur von etwa 32 °C, für ältere Menschen kann bereits ab rund 36 °C eine extreme Belastung bestehen. Die gefühlte Temperatur berücksichtigt auch Luftfeuchtigkeit und Sonne.

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