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Alltag in der Pflege

Ernährung in der Pflege: Mangelernährung erkennen und vermeiden

Eine gute Ernährung in der Pflege hält Kraft, Abwehr und Lebensfreude aufrecht.

Anja Baumann24.06.20269 Min. Lesezeit

Eine gute Ernährung in der Pflege hält Kraft, Abwehr und Lebensfreude aufrecht. Gerade im Alter essen und trinken viele Menschen aber zu wenig, ohne dass es jemandem auffällt. So entsteht eine Mangelernährung oft schleichend und über Monate. In diesem Beitrag zeige ich Ihnen, wie viel Eiweiß und Flüssigkeit ältere Menschen brauchen, woran Sie eine Mangelernährung früh erkennen und mit welchen praktischen Hilfen Sie beim Essen und Trinken unterstützen.

Warum die richtige Ernährung in der Pflege so wichtig ist

Essen und Trinken sind weit mehr als reine Nährstoffaufnahme. Sie geben Struktur, sind Teil sozialer Gewohnheiten und bestimmen das Wohlbefinden stark mit. Wird ein Mensch dauerhaft zu schlecht versorgt, sind die Folgen handfest.

Eine unzureichende Versorgung mit Energie und Eiweiß baut zuerst die Muskulatur ab. Damit sinken Kraft und Gleichgewicht, das erhöht die Gefahr von Stürzen. Wie Sie diesem Risiko zusätzlich vorbeugen, beschreiben wir im Beitrag zur Sturzprophylaxe. Zugleich schwächt ein schlechter Ernährungszustand die Abwehrkräfte, sodass Infekte häufiger werden und die Wundheilung leidet. Auch das Risiko für ein Druckgeschwür steigt, denn Haut und Gewebe brauchen Eiweiß und Flüssigkeit, um stabil zu bleiben.

Wichtig zu wissen: Mangelernährung betrifft nicht nur dünne Menschen. Auch normal- oder übergewichtige ältere Menschen können zu wenig Eiweiß und zu wenige Nährstoffe aufnehmen. Entscheidend ist die Zusammensetzung der Nahrung, nicht allein das Gewicht.

Wie viel Eiweiß, Energie und Flüssigkeit ältere Menschen brauchen

Der Bedarf verschiebt sich im Alter. Der Energiebedarf sinkt leicht, weil viele Menschen sich weniger bewegen. Der Eiweißbedarf dagegen steigt, weil der Körper Protein schlechter verwertet und Muskelmasse erhalten bleiben soll.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt für Menschen ab 65 Jahren einen Schätzwert von 1,0 g Eiweiß je Kilogramm Körpergewicht pro Tag. Für eine Person mit 70 Kilogramm sind das rund 70 g Eiweiß täglich. Gut über den Tag verteilt erreichen Sie diese Menge mit Milchprodukten, Eiern, Fisch, Fleisch sowie mit Hülsenfrüchten und Getreide.

Auch die Flüssigkeit braucht im Alter besondere Aufmerksamkeit, denn das Durstgefühl lässt nach. Die DGE nennt für ältere Menschen rund 1,3 Liter über Getränke pro Tag als Orientierung. Die passende Trinkmenge für Senioren kann bei Hitze, Fieber oder Durchfall deutlich höher liegen. Bei Herz- oder Nierenerkrankungen gilt dagegen manchmal eine ärztlich verordnete Begrenzung.

Nährstoff bzw. FlüssigkeitEmpfehlung ab 65 JahrenPraktische Einordnung
Eiweiß (Protein)rund 1,0 g je kg Körpergewicht/Tagetwa 70 g bei 70 kg, auf alle Mahlzeiten verteilen
Flüssigkeit über Getränkerund 1,3 Liter/TagWasser, ungesüßter Tee, verdünnte Saftschorle
Gesamtwasserzufuhrrund 2,25 Liter/TagRest stammt aus Suppen, Obst und Gemüse

Mein Tipp: Stellen Sie das Glas immer in Sichtweite und Reichweite. Was nicht sichtbar ist, wird im Alltag schnell vergessen. Feste Trinkzeiten zu den Mahlzeiten und ein gefülltes Glas am Lieblingsplatz wirken oft besser als jede Ermahnung.

Mangelernährung im Alter erkennen: Warnzeichen und Risikofaktoren

Eine Mangelernährung im Alter entwickelt sich meist langsam. Erste Zeichen werden leicht als normale Alterserscheinung abgetan. Genau das macht sie gefährlich.

Achten Sie auf diese Warnsignale:

  • Ungewollter Gewichtsverlust. Kleidung und Ringe sitzen plötzlich locker, das Gesicht wirkt eingefallen. Laut Verbraucherzentrale NRW gilt ab 65 Jahren ein Verlust von mehr als 5 % des Körpergewichts in drei Monaten oder ein BMI unter 20 als deutlicher Hinweis.
  • Nachlassende Kraft und Müdigkeit. Wer sichtbar schwächer wird, häufiger stürzt oder antriebslos wirkt, isst womöglich zu wenig.
  • Wiederkehrende Infekte und schlechte Wundheilung. Beides kann auf eine unzureichende Versorgung mit Eiweiß und Nährstoffen hinweisen.

Hinter diesen Zeichen stehen oft mehrere Ursachen zugleich. Häufig sind es Appetitverlust, Kau- und Schluckprobleme, eine schlecht sitzende Prothese oder ein verändertes Geschmacksempfinden. Hinzu kommen soziale Gründe wie Einsamkeit am Esstisch oder die Mühe, allein einzukaufen und zu kochen. Auch viele Medikamente gleichzeitig können auf den Appetit schlagen.

In meinem persönlichen Umfeld habe ich erlebt, wie spät ein schleichender Gewichtsverlust auffällt. Erst als die Kleidung sichtbar rutschte, wurde klar, dass über Wochen viel zu wenig auf dem Teller gelandet war. Seitdem schaue ich bei älteren Verwandten früher und genauer hin.

Mein Tipp: Wiegen Sie die pflegebedürftige Person regelmäßig, etwa einmal pro Woche zur selben Tageszeit. Ein Trink- und Essprotokoll macht zusätzlich sichtbar, wie viel tatsächlich gegessen und getrunken wird. Solche Aufzeichnungen lassen sich gut in einem Pflegetagebuch festhalten.

Unterstützung beim Essen und Trinken: praktische Hilfen

Bei Appetitlosigkeit hilft selten der gut gemeinte Appell, mehr zu essen. Besser wirken kleine, dafür energie- und eiweißreiche Portionen über den Tag verteilt. Viele ältere Menschen schaffen drei kleine Mahlzeiten plus Zwischenmahlzeiten leichter als eine große Portion.

Aus meiner langjährigen Erfahrung, besonders durch Gespräche mit Angehörigen, habe ich gelernt, dass der Druck am Esstisch oft das eigentliche Problem ist. Sobald das Essen zur Pflichtübung wird, sinkt der Appetit noch weiter. Am besten halfen in diesen Berichten Gelassenheit und feste, gemeinsame Mahlzeiten ohne Drängen.

Diese Ansätze haben sich bewährt:

  • Lieblingsspeisen anbieten. Vertraute Gerichte und Gewürze regen den Appetit eher an als unbekannte Kost. Ein wenig Sahne, Butter, Öl oder geriebener Käse erhöht den Energiegehalt, ohne die Portion zu vergrößern.
  • Gemeinsam essen. Wer in Gesellschaft am Tisch sitzt, isst meist mehr und mit mehr Freude. Die soziale Seite des Essens wird stark unterschätzt.
  • Hindernisse abbauen. Bei Kau- oder Schluckproblemen helfen weiche oder pürierte Speisen und angedickte Getränke. Eine lockere Prothese gehört zahnärztlich angepasst.
  • Trinken in den Alltag einbauen. Bieten Sie regelmäßig kleine Mengen an, etwa zu jeder Mahlzeit und zu festen Zeiten dazwischen. Auch Suppen, wasserreiches Obst und Gemüse tragen zur Flüssigkeitszufuhr bei.

Die praktischen Handgriffe rund um die Hilfe beim Essen und Anreichen beschreiben wir ausführlich im Beitrag zur Grundpflege und Körperpflege. Wie sich der gesamte Pflegealltag mit festen Mahlzeiten und Routinen strukturieren lässt, lesen Sie in unserem Beitrag Pflegealltag organisieren.

Wann ärztliche oder diätetische Beratung sinnvoll ist

Manchmal reichen kleine Anpassungen im Alltag nicht aus. Wenn das Gewicht weiter sinkt, die Kraft nachlässt oder Schluckstörungen auftreten, gehört das ärztlich abgeklärt. Erste Anlaufstelle ist der Hausarzt. Er kann körperliche Ursachen prüfen und bei Bedarf an eine Ernährungsfachkraft, eine Logopädie oder eine geriatrische Praxis überweisen.

In Pflegeeinrichtungen und in der ambulanten Pflege bildet der DNQP-Expertenstandard zum Ernährungsmanagement den fachlichen Rahmen. Er sieht ein regelmäßiges Erfassen des Ernährungszustands vor und beschreibt, wie eine drohende Mangelernährung früh erkannt und ihr entgegengewirkt wird. Reicht die normale Kost nicht aus, kann der Arzt zusätzlich Trinknahrung verordnen.

Wichtig zu wissen: Verändern Sie die Ernährung bei bestehenden Erkrankungen wie Diabetes, einer Nieren- oder Herzschwäche nie eigenmächtig. Sprechen Sie Anpassungen immer mit dem behandelnden Arzt ab.

Fazit: gute Ernährung in der Pflege beginnt mit aufmerksamem Beobachten

Mangelernährung lässt sich am besten verhindern, bevor sie entsteht. Wer das Gewicht im Blick behält, auf Eiweiß und Flüssigkeit achtet und früh auf nachlassenden Appetit reagiert, fängt viele Probleme rechtzeitig ab. Die konkrete nächste Handlung ist einfach: Führen Sie über ein bis zwei Wochen ein kurzes Trink- und Essprotokoll und wiegen Sie regelmäßig. Zeigt sich dabei ein ungewollter Gewichtsverlust, suchen Sie das Gespräch mit dem Hausarzt.


Quellen

Häufige Fragen

Achten Sie auf regelmäßige, eiweißreiche Mahlzeiten, ausreichend Flüssigkeit und gemeinsames Essen. Wiegen Sie regelmäßig und reagieren Sie früh auf Appetitverlust oder ungewollten Gewichtsverlust.
Als Orientierung gilt für die Trinkmenge bei Senioren rund 1,3 Liter über Getränke pro Tag. Bei Hitze, Fieber oder Durchfall mehr, bei Herz- oder Nierenerkrankungen nur nach ärztlicher Vorgabe.
Bieten Sie kleine, energiereiche Portionen und Lieblingsspeisen an, reichern Sie das Essen mit Butter, Öl oder Sahne an und essen Sie nach Möglichkeit gemeinsam. Hält die Appetitlosigkeit an, klären Sie die Ursache ärztlich ab.
Typische Zeichen sind ungewollter Gewichtsverlust, locker sitzende Kleidung, nachlassende Kraft und häufige Infekte. Ab 65 Jahren gelten ein Gewichtsverlust über 5 % in drei Monaten oder ein BMI unter 20 als Warnsignal.
Empfohlen werden rund 1,0 Gramm Eiweiß je Kilogramm Körpergewicht pro Tag. Verteilen Sie die Menge auf alle Mahlzeiten, etwa über Milchprodukte, Eier, Fisch, Fleisch und Hülsenfrüchte.

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