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Prophylaxen in der häuslichen Pflege: Kontraktur, Thrombose und Pneumonie vorbeugen
Alltag in der Pflege

Prophylaxen in der häuslichen Pflege: Kontraktur, Thrombose und Pneumonie vorbeugen

Wer einen Menschen zu Hause pflegt, denkt zunächst an Körperpflege, Ernährung und Medikamente.

Anja Baumann27.07.20269 Min. Lesezeit

Wer einen Menschen zu Hause pflegt, denkt zunächst an Körperpflege, Ernährung und Medikamente. Doch je weniger sich ein Mensch bewegt, desto mehr rücken die Prophylaxen in der Pflege in den Vordergrund. Damit ist die gezielte Vorbeugung von Folgeschäden gemeint, die aus Bewegungsmangel und langem Liegen entstehen. Dieser Beitrag erklärt die drei Prophylaxen, die bei Bettlägerigkeit am wichtigsten sind, nämlich gegen Kontrakturen, Thrombosen und eine Lungenentzündung. Ich zeige Ihnen, welche Maßnahmen wirklich schützen, was Sie selbst tun dürfen und wann eine Fachkraft gefragt ist.

Warum Vorbeugen in der häuslichen Pflege so wichtig ist

Die meisten dieser Gesundheitsschäden haben eine gemeinsame Wurzel, nämlich fehlende Bewegung. Bewegt sich ein Mensch im Bett kaum noch, versteifen Gelenke, das Blut fließt langsamer durch die Beinvenen und die Lunge wird schlechter belüftet. So entstehen aus der Immobilität nach und nach ernste Folgeerkrankungen. Vorbeugen heißt, diese Entwicklung früh zu durchbrechen.

Die gute Nachricht ist, dass eine einzige Maßnahme gegen vieles zugleich hilft. Regelmäßige Bewegung erhält die Beweglichkeit und senkt zugleich das Risiko für Gelenkversteifungen, Druckgeschwüre und Verstopfung, wie die Stiftung ZQP betont. Fachlich beschrieben ist die Bewegungsförderung im Expertenstandard „Erhaltung und Förderung der Mobilität in der Pflege“ des DNQP. Aus meiner Erfahrung lohnt es sich, Bewegung fest in den Tagesablauf einzubauen, statt sie als Zusatzaufgabe zu sehen.

Zwei weitere klassische Prophylaxen behandeln wir an anderer Stelle ausführlich. Wie ein Druckgeschwür durch anhaltenden Druck entsteht und wie Sie es verhindern, lesen Sie in unserem Beitrag zum Dekubitus. Wie Sie einen Menschen sicher mobilisieren und Stürzen vorbeugen, beschreibt unser Beitrag zur Sturzprophylaxe.

Kontrakturprophylaxe: Gelenke beweglich halten

Eine Kontraktur ist die dauerhafte Versteifung eines Gelenks. Werden Muskeln, Sehnen und Gelenkkapsel über längere Zeit nicht bewegt, verkürzen sie sich und das Gelenk lässt sich nicht mehr voll strecken oder beugen. Anders als ein Druckgeschwür kündigt sich eine Kontraktur kaum an. Sie entwickelt sich langsam, oft erst nach Tagen oder Wochen ohne ausreichende Bewegung. Gerade deshalb wird das Risiko leicht übersehen.

Die wirksamste Vorbeugung ist Bewegung in ihrem ganzen Umfang. Jedes Gelenk sollte regelmäßig einmal vollständig durchbewegt werden, also etwa der Arm gestreckt und gebeugt, das Handgelenk gedreht, der Fuß angezogen und gestreckt. Bewegt die pflegebedürftige Person selbst mit, ist das ideal. Geht das nicht mehr, übernehmen pflegende Angehörige oder eine Fachkraft die Bewegung behutsam und schmerzfrei.

Neben der Bewegung hilft die richtige Lagerung. Arme und Beine werden in einer natürlichen Mittelstellung gelagert, nicht dauerhaft in einer Schon- oder Krümmhaltung. Eine kleine Rolle unter dem Knie oder ein Kissen, das den Fuß stützt, hält das Gelenk in einer guten Position. In meinem persönlichen Umfeld habe ich erlebt, wie schnell aus wenigen Tagen Schonhaltung eine steife Schulter wurde, die danach mühsam wieder gelockert werden musste.

Mein Tipp: Lassen Sie sich vom Hausarzt eine Physiotherapie verordnen, sobald jemand längere Zeit das Bett hütet. Die Therapeutin oder der Therapeut zeigt Ihnen die passenden Bewegungen für die einzelnen Gelenke, sodass Sie diese sicher zwischen den Terminen weiterführen können.

Thromboseprophylaxe: den Blutfluss in Schwung halten

Bei einer tiefen Venenthrombose bildet sich ein Blutgerinnsel in einer der tiefen Venen, meist im Unterschenkel. Das Gerinnsel behindert den Rückfluss des Blutes zum Herzen. Gefährlich wird es, wenn sich ein Teil löst und über den Kreislauf in die Lunge gelangt. Dort kann es ein Gefäß verschließen und eine Lungenembolie auslösen, die laut gesund.bund.de ein Notfall ist. Langes Liegen ohne Bewegung gehört zu den Risikofaktoren, weil das Blut in den Beinvenen dann nur träge fließt.

Die Basismaßnahmen kann jeder Angehörige unterstützen. Im Mittelpunkt steht Bewegung, denn die Beinmuskeln wirken wie eine Pumpe und treiben das Blut zurück zum Herzen. Schon wer mehrmals am Tag aufsteht und ein paar Schritte geht, beugt wirksam vor. Bei bettlägerigen Menschen helfen einfache Übungen im Liegen.

  • die Füße abwechselnd anziehen und strecken, wie beim Gasgeben
  • mit den Zehen kräftig wackeln und die Füße kreisen lassen
  • die Beine einzeln anwinkeln und wieder ausstrecken

Auch ausreichend zu trinken hält das Blut flüssiger. Dieser einfache Punkt wird im Alltag am häufigsten vergessen.

Manche Maßnahmen gehören jedoch in fachliche Hände. Medizinische Kompressionsstrümpfe und gerinnungshemmende Spritzen verordnet die Ärztin oder der Arzt je nach Risiko. Beides ist Behandlungspflege und nichts, was Angehörige eigenmächtig beginnen sollten.

Wichtig zu wissen: Schwillt ein Bein einseitig an, schmerzt, fühlt sich warm an oder verfärbt sich, kann das auf eine Thrombose hindeuten. Treten plötzlich Atemnot oder Schmerzen in der Brust auf, wählen Sie sofort den Notruf 112, denn dann besteht der Verdacht auf eine Lungenembolie.

Pneumonieprophylaxe zu Hause: die Lunge gut belüften

Eine Lungenentzündung ist eine Entzündung der Lungenbläschen und des umgebenden Gewebes, meist ausgelöst durch Bakterien oder Viren. Im häuslichen Umfeld sind Pneumokokken die häufigsten Erreger, wie gesund.bund.de erläutert. Für ältere und geschwächte Menschen kann sie gefährlich werden. Bei langer Bettlägerigkeit steigt das Risiko gleich doppelt. Flach und nur oberflächlich geatmet werden die unteren Lungenbereiche schlecht belüftet. Zugleich kann sich beim Schlucken leichter etwas verschlucken und in die Atemwege geraten.

Vorbeugen heißt hier vor allem, die Lunge gut zu belüften. Diese Maßnahmen haben sich bewährt:

  • den Oberkörper tagsüber aufrecht lagern, statt flach zu liegen
  • mehrmals täglich bewusst tief ein- und ausatmen, gern mit einem hörbaren, langen Ausatmen
  • so oft wie möglich aufstehen, sitzen und sich bewegen
  • beim Essen und Trinken aufrecht sitzen, um ein Verschlucken zu vermeiden
  • ausreichend trinken, damit sich festsitzendes Sekret löst

Nicht zu unterschätzen ist die Mundpflege. Aus Gesprächen mit Angehörigen habe ich erfahren, dass sie oft zu kurz kommt, obwohl Keime aus dem Mundraum die Lunge belasten können. Wie die tägliche Mund- und Körperpflege gelingt, zeigt unser Beitrag zur Grundpflege.

Schutz bietet außerdem die Impfung. Die Ständige Impfkommission empfiehlt allen Menschen ab 60 Jahren eine einmalige Pneumokokken-Impfung mit dem Wirkstoff PCV20, wie das Robert Koch-Institut darlegt. Dazu kommt die jährliche Grippeimpfung, da eine Grippe den Weg für eine Lungenentzündung ebnen kann. Es lohnt sich, den Impfstatus beim nächsten Hausarztbesuch prüfen zu lassen.

Was Angehörige selbst leisten dürfen und wann Fachkräfte gefragt sind

Die meisten vorbeugenden Maßnahmen dürfen Angehörige ohne Ausbildung übernehmen. Dazu zählen das Durchbewegen der Gelenke, die Bewegungsübungen im Bett, die aufrechte Lagerung und die Mundpflege. Diese Handgriffe gehören zur körperbezogenen Alltagspflege.

Davon abzugrenzen ist die Behandlungspflege, also ärztlich verordnete medizinische Maßnahmen. Das Anlegen von Kompressionsstrümpfen nach Maß, gerinnungshemmende Spritzen oder eine verordnete Atemtherapie fallen darunter. Für diese Aufgaben kommt ein ambulanter Pflegedienst ins Haus, sobald die Ärztin oder der Arzt sie verordnet hat.

Meine Erfahrung hat gezeigt, dass viele Angehörige unsicher sind, ob sie alles richtig machen. Diese Unsicherheit lässt sich auflösen. Die Pflegekasse bietet kostenlose Pflegekurse an, in denen Bewegung, Lagerung und sicherer Transfer praktisch geübt werden. Wie Sie den Pflegealltag insgesamt strukturieren, lesen Sie in unserem Beitrag zum Pflegealltag organisieren.

Fazit: Prophylaxen in der Pflege gelingen mit täglicher Bewegung

Kontrakturen, Thrombosen und Lungenentzündungen entstehen vor allem dort, wo Bewegung fehlt. Wer einen pflegebedürftigen Menschen täglich bewegt, regelmäßig umlagert, die Lunge durch eine aufrechte Position belüftet und auf die Mundpflege achtet, hat die wichtigsten Prophylaxen bereits abgedeckt. Vieles davon dürfen Angehörige selbst leisten, medizinische Maßnahmen bleiben der Fachkraft vorbehalten. Der konkrete nächste Schritt: Bauen Sie ab heute feste Bewegungszeiten in den Tag ein und melden Sie sich für einen kostenlosen Pflegekurs Ihrer Pflegekasse an.

Quellen

Häufige Fragen

Bei Bettlägerigkeit zählen vor allem die Vorbeugung von Kontrakturen, Thrombosen, Lungenentzündungen und Druckgeschwüren sowie die Sturzprophylaxe. Die gemeinsame Grundlage ist regelmäßige Bewegung und ein Wechsel der Körperposition.
Die Kontrakturprophylaxe stützt sich auf zwei Säulen. Jedes Gelenk wird regelmäßig vollständig durchbewegt und Arme und Beine werden in einer natürlichen Mittelstellung gelagert, nicht dauerhaft in einer Schonhaltung.
Wichtig sind eine aufrechte Oberkörperposition, bewusstes tiefes Durchatmen, viel Bewegung und eine gründliche Mundpflege. Beim Essen schützt aufrechtes Sitzen vor dem Verschlucken, zusätzlich beugen Impfungen vor.
Am wichtigsten ist Bewegung, denn die Beinmuskeln pumpen das Blut zurück zum Herzen. Schon Fußwippen und Beinübungen im Liegen helfen, Kompressionsstrümpfe und Spritzen verordnet bei Bedarf der Arzt.
Ja, denn Gelenke durchbewegen, Bewegungsübungen, aufrechtes Lagern und Mundpflege gehören zur Alltagspflege. Ärztlich verordnete Maßnahmen wie Kompressionsstrümpfe nach Maß oder Spritzen übernimmt ein Pflegedienst.
Typisch ist eine einseitige Schwellung mit Schmerzen, Wärmegefühl oder Hautverfärbung an nur einem Bein. Bei plötzlicher Atemnot oder Brustschmerz wählen Sie sofort den Notruf 112, dann droht eine Lungenembolie.

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