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Bettlägerigkeit: Folgen verstehen und vorbeugen
Alltag in der Pflege

Bettlägerigkeit: Folgen verstehen und vorbeugen

Bettlägerigkeit ist für viele Angehörige der Moment, in dem die Pflege zu Hause spürbar schwerer wird.

Anja Baumann27.07.20269 Min. Lesezeit

Bettlägerigkeit ist für viele Angehörige der Moment, in dem die Pflege zu Hause spürbar schwerer wird. Wer kaum noch aufstehen kann, ist auf Hilfe bei fast allem angewiesen. Aus dem dauerhaften Liegen entstehen Folgeschäden, die sich mit den richtigen Schritten in vielen Fällen vermeiden lassen. Ich erläutere Ihnen, welche Folgen Bettlägerigkeit hat, warum der Erhalt von Bewegung die wichtigste Vorbeugung ist und wie Sie den Tag im Bett sinnvoll strukturieren.

Was Bettlägerigkeit bedeutet

Von Bettlägerigkeit spricht man, wenn ein Mensch den größten Teil des Tages im Bett verbringt und es nicht mehr aus eigener Kraft verlassen kann. Sie ist keine eigene Krankheit, sondern Folge schwerer Erkrankungen oder Verletzungen. Häufige Auslöser sind ein Schlaganfall, eine fortgeschrittene Demenz, ein Knochenbruch nach einem Sturz oder die letzte Lebensphase.

Wichtig zu wissen: Bettlägerigkeit ist oft ein Zustand auf Zeit, kein Schicksal. Nach einer Operation oder einem Infekt kann sie vorübergehen, wenn Kraft und Beweglichkeit gezielt wieder aufgebaut werden. Aus meiner Erfahrung lohnt es sich, das frühzeitig anzugehen, weil jeder Tag ohne Bewegung den Weg zurück erschwert.

Welche Folgen Bettlägerigkeit hat

Der menschliche Körper ist auf Bewegung ausgelegt. Fehlt sie über Tage und Wochen, leiden Haut, Gelenke, Kreislauf und Lunge. Die wichtigsten Folgen und ihre Vorbeugung zeigt die folgende Übersicht.

FolgeWie sie entstehtWas am besten vorbeugt
Druckgeschwür (Dekubitus)Anhaltender Druck presst die Blutgefäße über einem Knochen zusammen, das Gewebe stirbt ab. Entsteht schon innerhalb von Stunden.Eigenbewegung fördern, regelmäßig die Position wechseln, die Haut beobachten, druckverteilende Hilfsmittel nutzen
Gelenkversteifung (Kontraktur)Muskeln, Sehnen und Gelenkkapseln verkürzen sich ohne Bewegung. Entwickelt sich langsam über Tage bis Wochen und wird leicht übersehen.Jedes Gelenk täglich schmerzfrei durchbewegen, Gliedmaßen in natürlicher Mittelstellung lagern
ThromboseIn den tiefen Beinvenen bildet sich durch das lange Liegen ein Blutgerinnsel. Gefürchtete Komplikation ist die Lungenembolie.Beine bewegen, Fußwippen, ausreichend trinken, ärztlich verordnete Maßnahmen einhalten
Lungenentzündung (Pneumonie)Die unteren Lungenfelder werden schlecht belüftet, dazu kommt die Gefahr des Verschluckens.Oberkörper aufrecht lagern, tief durchatmen, mobilisieren, beim Essen aufrecht sitzen, Mundpflege

Dazu kommen weniger sichtbare Folgen. Die Muskelkraft schwindet bereits nach wenigen Tagen Bettruhe, was das Aufstehen zusätzlich erschwert. Appetit und Trinkmenge sinken oft, das erhöht das Risiko einer Mangelernährung. Auch der Darm wird träge, sodass Verstopfung häufig wird. Nicht zuletzt zieht sich mancher Mensch zurück und verliert den Antrieb, wenn der Tag nur noch aus Liegen besteht.

Aus Gesprächen mit Angehörigen habe ich erfahren, dass gerade die Thrombose unterschätzt wird, weil sie lange keine Beschwerden macht. Treten plötzlich starke Luftnot, Brustschmerz oder eine einseitige Beinschwellung auf, zählt jede Minute. Verständigen Sie in diesem Fall ohne Umweg den Rettungsdienst über die 112.

Restmobilität erhalten: die wichtigste Vorbeugung

Die wirksamste Maßnahme gegen all diese Folgen ist Bewegung. Was ein Mensch noch selbst kann, sollte er auch selbst tun. Dieses Prinzip nennt man aktivierende Pflege. Es bedeutet, Hilfe anzubieten, ohne dem Menschen alles abzunehmen.

Konkret heißt das, vorhandene Beweglichkeit zu nutzen und Schritt für Schritt auszubauen. Mancher kann sich noch im Bett zur Seite drehen oder die Beine anstellen. Andere schaffen es mit Unterstützung an die Bettkante, später auf einen Stuhl neben dem Bett. Jede dieser kleinen Etappen zählt. Lehnt die Person ein Bewegungsangebot ab, sollten Sie das akzeptieren. Bevor Sie regelmäßig üben, klären Sie das Vorgehen ärztlich ab.

Wer einen bettlägerigen Menschen bewegt, sollte dabei auf die eigene Gesundheit achten. Wie Sie rückenschonend und sicher umsetzen, lesen Sie in unseren Beiträgen zur Grundpflege und Körperpflege und zur sicheren Mobilisation bei der Sturzprophylaxe. Die passenden Handgriffe lernen Sie kostenlos in einem Pflegekurs der Pflegekasse.

Mein Tipp: Buchen Sie eine individuelle Schulung bei Ihnen zu Hause. Dort zeigt eine Pflegefachkraft die Mobilisation direkt am eigenen Bett und an der vorhandenen Ausstattung.

Der Tag im Bett: Hautpflege, Lagern, Beschäftigung

Ein guter Tagesablauf beugt mehreren Folgen gleichzeitig vor. Wie Sie die Versorgung insgesamt strukturieren, zeigt unser Beitrag zum Pflegealltag zu Hause. Bei Bettlägerigkeit sind drei Bereiche besonders wichtig.

Haut beobachten und Druck entlasten. Schauen Sie sich die gefährdeten Stellen bei jeder Pflege genau an, vor allem Steißbein, Fersen und Hüften. Bleibt eine Rötung nach kurzem Fingerdruck bestehen, gilt es sofort zu entlasten. Wie oft ein Positionswechsel nötig ist, hängt vom Hautzustand und von der Unterlage ab, ein starres Schema gibt es nicht. Die Hintergründe vertieft unser Beitrag zum Dekubitus.

Atmung und Kreislauf in Schwung halten. Lagern Sie den Oberkörper mehrmals täglich aufrecht und regen Sie tiefes Durchatmen an. Das beugt einer Lungenentzündung vor. Kleine Übungen im Liegen wie Fußwippen oder das Anspannen der Beinmuskeln aktivieren den Blutfluss und senken das Thromboserisiko. Ausreichend zu trinken unterstützt beides.

Antrieb und Nähe geben. Ein bettlägeriger Mensch braucht mehr als Versorgung. Gespräche, Musik, Vorlesen oder ein Blick aus dem Fenster gliedern den Tag und beugen Rückzug vor. Eine eiweißreiche Kost und genug Flüssigkeit stärken zugleich Haut und Muskeln, beides hilft der Heilung und der Vorbeugung.

Ich rate dazu, feste Zeitpunkte für diese kleinen Einheiten festzulegen. Im Alltag gehen sie sonst leicht unter, gerade wenn die Pflege ohnehin viel Kraft kostet.

Hilfsmittel, die bei Bettlägerigkeit entlasten

Die richtige Ausstattung erleichtert die Pflege und die Vorbeugung erheblich. Das wichtigste Hilfsmittel ist ein Pflegebett. Es lässt sich in der Höhe verstellen, was rückenschonendes Arbeiten erst möglich macht. Die Pflegekasse stellt es als technisches Hilfsmittel nach § 40 SGB XI bereit, meist als zuzahlungsfreie Leihgabe.

Gegen Druckgeschwüre helfen druckverteilende Matratzen. Anti-Dekubitus-Systeme, also Wechseldruck- und Weichlagerungsmatratzen, sind Hilfsmittel der Krankenkasse nach § 33 SGB V. Nötig sind dafür ein ärztliches Rezept und ein erhöhtes Wundliegerisiko oder ein bereits bestehendes Druckgeschwür, einen Pflegegrad braucht es nicht. Die Kasse trägt die Kosten bis auf die gesetzliche Zuzahlung. Diese beträgt zehn Prozent, wenigstens fünf und höchstens zehn Euro.

Hinzu kommen Lagerungskissen, ein Gleittuch zum schonenden Umlagern und bei Bedarf eine Aufrichthilfe am Bett. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass schon ein gut eingestelltes Bett und eine passende Matratze den Alltag spürbar verändern. Lassen Sie sich bei der Auswahl von der Pflegeberatung oder einem Sanitätshaus unterstützen.

Fazit: Bettlägerigkeit mit Bewegung und Aufmerksamkeit begegnen

Bettlägerigkeit bringt ernste Folgen mit sich, doch die meisten lassen sich abwenden. Der Schlüssel ist Bewegung in jeder noch möglichen Form, ergänzt um eine wache Beobachtung von Haut, Atmung und Stimmung. Prüfen Sie als nächsten Schritt, ob ein höhenverstellbares Pflegebett und eine druckverteilende Matratze vorhanden sind. Was noch fehlt, stellen Sie über einen Antrag bei der Pflege- oder Krankenkasse bereit. Sprechen Sie zugleich mit dem Hausarzt über gezielte Bewegungsförderung, damit aus einer vorübergehenden Phase keine dauerhafte Bettlägerigkeit wird.

Quellen

Häufige Fragen

Dauerhaftes Liegen begünstigt vor allem Druckgeschwüre, Gelenkversteifungen, Thrombosen und Lungenentzündungen. Hinzu kommen Muskelabbau, ein höheres Risiko für Mangelernährung, Verstopfung und sozialer Rückzug.
Im Mittelpunkt stehen Hautkontrolle, regelmäßiger Positionswechsel, Bewegungsübungen und eine gute Tagesstruktur. Lassen Sie die Person bei der Pflege so viel wie möglich selbst tun und arbeiten Sie rückenschonend.
Am besten durch Bewegung, denn sie senkt das Risiko für Druckgeschwüre, Kontrakturen und Thrombosen zugleich. Ergänzend helfen tägliche Hautkontrolle, aufrechte Lagerung, ausreichend Flüssigkeit und passende Hilfsmittel.
Wundliegen, also ein Dekubitus, lässt sich durch regelmäßige Entlastung der Haut, eine druckverteilende Matratze und tägliche Kontrolle der gefährdeten Stellen in den meisten Fällen verhindern.
Wichtig sind ein höhenverstellbares Pflegebett, eine Anti-Dekubitus-Matratze sowie Lagerungskissen und ein Gleittuch. Das Pflegebett läuft über die Pflegekasse, die druckverteilende Matratze über die Krankenkasse.
Oft ja, wenn die Ursache behandelbar ist. Nach Operation, Bruch oder Infekt kann gezielter Aufbau von Kraft und Beweglichkeit die Selbstständigkeit teilweise zurückbringen, am besten in ärztlicher Begleitung.

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