
Haut- und Intimpflege in der häuslichen Pflege
Die Haut älterer Menschen verzeiht weniger als früher. Eine gute Hautpflege entscheidet deshalb mit darüber, ob Wundsein, Infektionen oder Druckstellen entstehen oder ausbleiben.
Die Haut älterer Menschen verzeiht weniger als früher. Eine gute Hautpflege entscheidet deshalb mit darüber, ob Wundsein, Infektionen oder Druckstellen entstehen oder ausbleiben. Besonders die Intimpflege verlangt neben dem richtigen Vorgehen viel Fingerspitzengefühl, weil sie die private Sphäre eines Menschen berührt. In meinem persönlichen Umfeld habe ich erlebt, wie sehr eine ruhige, respektvolle Art beiden Seiten diese Situation erleichtert. Dieser Beitrag zeigt Ihnen, wie Sie Altershaut schonend reinigen und pflegen, wie die Intimpflege würdevoll und hygienisch gelingt und woran Sie beginnende Hautprobleme erkennen.
Warum Altershaut besondere Pflege braucht
Im Alter arbeitet die Haut anders als in jungen Jahren. Sie verliert an Dicke, Feuchtigkeit und Spannkraft und hält Reibung und Druck schlechter stand. Verletzungen brauchen zudem länger, bis sie abheilen. Diese Veränderungen machen die Haut anfällig für Risse, Reizungen und Infektionen.
Ein Sonderfall ist die sehr dünne, fast durchscheinende Pergamenthaut. Sie findet sich häufig an den Unterarmen und Handrücken und reißt schon bei leichtem Anstoßen oder beim Ablösen eines Pflasters ein. An solchen Stellen zahlt sich behutsames Arbeiten besonders aus.
Meine Erfahrung hat gezeigt, dass viele Angehörige die Haut zu gut meinen und zu viel tun. Zu häufiges Waschen mit warmem Wasser und Seife trocknet die Haut zusätzlich aus. Weniger ist hier oft mehr.
Reinigung und Pflege: mild, kurz und rückfettend
Der wichtigste Grundsatz lautet, den natürlichen Säureschutzmantel der Haut zu erhalten. Dafür eignen sich milde, seifenfreie Waschprodukte mit einem pH-Wert unter 7 sowie duftstofffreie Pflege ohne ätherische Öle. Klassische Seifen greifen diesen Schutz an und sollten in der Pflege nicht mehr zum Einsatz kommen.
Je kürzer Haut mit Wasser und Waschmittel in Berührung kommt, desto besser. Heißes Wasser, kräftiges Abreiben oder Bürsten schaden der Haut mehr, als sie reinigen. Waschprodukte werden sparsam dosiert und anschließend vollständig mit klarem Wasser abgespült. Ist die Haut trocken, cremen Sie sie im Anschluss ein, mindestens einmal am Tag mit einer fetthaltigen Lotion oder Creme. Präparate mit Harnstoff, Glycerin oder Milchsäure binden Feuchtigkeit und tun sehr trockener Haut gut.
Wichtig zu wissen: Den ganzen Körper müssen Sie nicht jeden Tag waschen. In vielen Fällen reichen Gesicht, Achseln und Intimbereich, dazu die Hände nach jedem Toilettengang. Das schont die Haut und spart Kraft.
Für sehr trockene oder verletzliche Haut sowie bei bettlägerigen Menschen sind feuchte Waschtücher zur wasserfreien Reinigung eine gute Alternative. Bei der Körperpflege bettlägeriger Menschen ersparen sie den umständlichen Umgang mit Schüssel und Wasser und belasten die Haut weniger. Den ausführlichen Ablauf der Ganzkörperwäsche und die feste Waschreihenfolge finden Sie im Beitrag zur Grundpflege und Körperpflege.
Häufige Hautprobleme früh erkennen
Einige Hautprobleme treten bei pflegebedürftigen Menschen immer wieder auf. Wer sie kennt, kann rechtzeitig gegensteuern. Diese Übersicht fasst die wichtigsten zusammen:
| Hautproblem | Woran Sie es erkennen | Was hilft |
|---|---|---|
| Trockene Haut (Xerosis) | matte Haut, weißliche Schuppen, bei starker Ausprägung rau, rissig, juckend | milde Reinigung, mehrmals täglich rückfettend eincremen |
| Pergamenthaut | sehr dünne, verletzliche Haut, leicht Blutergüsse und Einrisse | behutsam arbeiten, Reibung meiden, Möbelkanten polstern |
| Wundsein in Hautfalten (Intertrigo) | gerötete, nässende Haut unter Achseln, Brust, Bauch und zwischen den Zehen | Falten gut trocknen, Luft heranlassen, trocken halten |
| Dermatitis bei Inkontinenz | wunde, entzündete Haut im Windelbereich nach Kontakt mit Urin oder Stuhl | rasch reinigen, Hautschutzprodukt auftragen |
In Hautfalten stauen sich Wärme und Feuchtigkeit, dort entsteht schnell wundgeriebene, entzündete Haut. Ich rate Ihnen deshalb, nach jedem Waschen die Achseln, die Bauchfalten, den Bereich unter der Brust und die Zwischenräume der Zehen sorgfältig, aber sanft trocken zu tupfen. Zurückbleibende Feuchtigkeit ist der häufigste Auslöser.
Ein Druckgeschwür, der Dekubitus, ist ein eigenes und ernstes Thema. Es entsteht durch anhaltenden Druck auf schlecht gepolsterte Körperstellen und kündigt sich durch eine Rötung an, die auf Fingerdruck nicht verblasst. Wie Sie gefährdete Stellen entlasten und einem Wundliegen vorbeugen, lesen Sie im Beitrag zu Dekubitus und Dekubitusprophylaxe.
Intimpflege einfühlsam und hygienisch übernehmen
Der Intimbereich sollte möglichst täglich gereinigt werden. Hier zählen zwei Dinge gleichermaßen: die richtige Technik gegen Infektionen und ein respektvoller Umgang mit dem Schamgefühl. Tragen Sie bei der Intimpflege immer Einmalhandschuhe. Klassische Seife hat im Intimbereich nichts verloren. Zum Reinigen reichen klares Wasser oder eine milde, eigens für diesen Bereich gedachte Waschlotion.
Bei einer Frau spreizen Sie vorsichtig die äußeren Schamlippen und reinigen von vorne nach hinten, also vom Schambein in Richtung Anus. Den Anus selbst sparen Sie zunächst aus. So verhindern Sie, dass Bakterien und Pilze aus der Analregion nach vorn verschleppt werden. Zum Schluss reinigen Sie in Seitenlage das Gesäß und den Anus in Richtung Steißbein.
Beim Mann ist zuerst der Hodensack an der Reihe, danach folgt der Penis. Eine vorhandene Vorhaut streifen Sie behutsam zurück, reinigen die Eichel und ziehen die Vorhaut danach wieder nach vorn. Auch hier arbeiten Sie vom Sauberen zum Unreinen und reinigen die Analregion ganz am Ende.
Mein Tipp: Wechseln Sie den Waschlappen zwischendurch oder spülen Sie ihn gründlich aus. Materialien, die den Intimbereich oder eine erkrankte Hautstelle berührt haben, dürfen nicht mehr an andere Körperstellen. Das gilt für Waschlappen, Handtücher und Handschuhe gleichermaßen. Farbige Waschlappen für verschiedene Körperzonen helfen, den Überblick zu behalten.
Genauso wichtig wie die Technik ist die Haltung. Kündigen Sie jeden Handgriff in Ruhe vorher an. Lassen Sie stets nur die Stelle frei, die Sie gerade reinigen. Wenn die pflegebedürftige Person etwas selbst übernehmen kann, lassen Sie ihr den Vortritt. Das nimmt Druck aus einer Situation, die vielen unangenehm ist. Auch Menschen mit Demenz erleben unerwartete Handgriffe schnell als bedrohlich. Ein langsames Vorgehen in kleinen Schritten schafft hier Sicherheit.
Die Haut bei Inkontinenz schützen
Bei Blasen- oder Darmschwäche steht die Haut unter Dauerbelastung. Urin und Stuhl greifen sie an und können sie wund werden lassen und Infektionen auslösen. Der Hautschutz rückt bei Inkontinenz deshalb in den Mittelpunkt der Intimpflege.
Nach jedem Einnässen oder Stuhlgang säubern Sie die Haut. Stuhlreste beseitigen Sie ohne Verzug. Weiche, hautschonende Waschtücher sind dafür schonender als häufiges Waschen mit Wasser und Seife. Trocknen Sie anschließend behutsam durch Tupfen statt Reiben. Danach hilft ein Hautschutzprodukt, das eine Barriere gegen Feuchtigkeit bildet, etwa Vaseline oder ein spezielles Inkontinenzpräparat.
Aufsaugende Vorlagen und Pants wechseln Sie mehrmals täglich, bei Stuhl sofort. Welche Materialien und Hilfsmittel infrage kommen und wie die Kasse sie erstattet, behandelt der Beitrag zur Inkontinenz im Detail.
Die Haut regelmäßig beobachten
Ein wachsames Auge ist die beste Vorbeugung. Nutzen Sie jede Wäsche und jedes Eincremen, um die Haut anzuschauen, am besten bei guter Beleuchtung. Achten Sie auf Rötungen, Verfärbungen, nässende oder blutige Stellen, Juckreiz und veränderte Nägel. Bei Menschen, die sich nicht mehr äußern können, verrät oft die Körpersprache, dass etwas schmerzt.
Manche Hautschutzprodukte wie deckende weiße Zinkpaste erschweren diese Kontrolle, weil sie die Haut verbergen. Wo ein Risiko für Druckstellen besteht, sind sie deshalb ungünstig.
Ich empfehle Ihnen, bei entzündeten, offenen oder anhaltend juckenden Stellen nicht abzuwarten, sondern zügig pflegefachlichen oder ärztlichen Rat einzuholen. Besonders bei Diabetes, Durchblutungsstörungen oder Empfindungsstörungen gehört die Haut in fachkundige Beobachtung, weil Probleme dort oft unbemerkt entstehen.
Wo Sie das nötige Verbrauchsmaterial wie Handschuhe bezuschusst bekommen und wie Sie die Handgriffe in einem kostenlosen Pflegekurs erlernen, ordnet der Überblicksbeitrag zum Pflegealltag ein.
Fazit: Haut- und Intimpflege als tägliche Vorsorge
Gute Haut- und Intimpflege ist keine Kür, sondern verhindert Wundsein, Infektionen und Druckstellen. Die drei Hebel sind einfach: mild und kurz reinigen statt zu viel waschen, konsequent rückfettend pflegen und die Haut bei jeder Gelegenheit beobachten. Bei der Intimpflege sichern die richtige Richtung und getrennte Materialien die Hygiene, ein ruhiges, angekündigtes Vorgehen die Würde. Prüfen Sie als nächsten Schritt Ihre Pflegeprodukte auf einen pH-Wert unter 7 und tauschen Sie klassische Seife gegen eine milde Waschlotion.
Quellen
Häufige Fragen
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