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COPD: Pflege und Versorgung zu Hause
Krankheitsbilder

COPD: Pflege und Versorgung zu Hause

Wenn die Luft knapp wird, rückt der Atem in den Mittelpunkt jedes Tages.

Patricia Brunero27.07.20269 Min. Lesezeit

Wenn die Luft knapp wird, rückt der Atem in den Mittelpunkt jedes Tages. Die COPD-Pflege zu Hause heißt deshalb vor allem, Atemnot zu lindern, Kräfte einzuteilen und Verschlechterungen abzufangen, bevor sie gefährlich werden. Sie erfahren in diesem Beitrag, wie Sie bei Luftnot ruhig und richtig reagieren, worauf es bei einer Sauerstofftherapie zu Hause ankommt und welche Rolle Infektschutz und Pflegegrad spielen. Wie stark Atemnot auch Angst macht, habe ich in meinem Umfeld aus nächster Nähe gesehen. Gegen diese Angst lässt sich einiges tun.

Was COPD bedeutet und warum die Atemnot zunimmt

COPD steht für die chronisch obstruktive Lungenerkrankung. Sie verbindet meist zwei Veränderungen. Die Atemwege sind dauerhaft entzündet und verengt, das ist die chronische Bronchitis mit Husten und zähem Auswurf. Zusätzlich gehen Lungenbläschen zugrunde, die Lunge überbläht sich, das nennt man Lungenemphysem. Laut Robert Koch-Institut ist Tabakrauchen der wichtigste Auslöser, die Verengung lässt sich nicht wieder rückgängig machen.

Typisch ist, dass die Atemnot zunimmt. Anfangs spüren Betroffene sie nur bei Anstrengung, etwa beim Treppensteigen. Später reicht schon das Anziehen, im schweren Stadium tritt Luftnot auch in Ruhe auf. Heilbar ist die Erkrankung nicht, ihr Verlauf lässt sich aber spürbar beeinflussen.

Besonders kritisch sind akute Verschlechterungen, die Fachleute Exazerbation nennen. Husten, Auswurf und Atemnot nehmen dann innerhalb kurzer Zeit deutlich zu. Solche Schübe schwächen die Lunge nachhaltig und sind ein häufiger Grund für Krankenhausaufenthalte. Wer die Warnzeichen früh erkennt und ärztlich gegensteuert, schützt die verbliebene Lungenfunktion.

COPD-Pflege bei Atemnot: ruhig bleiben und richtig atmen

Ein akuter Atemnotanfall macht Angst. Hektik verschlimmert ihn zusätzlich. Das Wichtigste ist deshalb, gemeinsam ruhig zu bleiben und die Atmung gezielt zu steuern. Zwei einfache Techniken helfen den meisten Menschen mit COPD. Sie kosten nichts.

Die dosierte Lippenbremse ist die bekannteste davon. Dabei atmet die Person langsam gegen die locker aufeinanderliegenden Lippen aus, sodass sich die Wangen leicht blähen. Der entstehende Gegendruck hält die kleinen Atemwege offen und verhindert, dass sie beim Ausatmen zusammenfallen. So entweicht mehr verbrauchte Luft und die Überblähung lässt nach.

Ergänzend wirken atemerleichternde Körperstellungen. Im Sitzen ist das der Kutschersitz, bei dem die Unterarme auf den Oberschenkeln aufliegen und der Oberkörper leicht nach vorn geneigt ist. Steht die Person, hilft die Torwartstellung mit aufgestützten Händen auf den Oberschenkeln. Durch das Abstützen der Arme wird die Atemhilfsmuskulatur entlastet und kann die Atmung besser unterstützen. Die Deutsche Atemwegsliga empfiehlt, beide Techniken zu kombinieren.

Mein Tipp: Üben Sie Lippenbremse und Kutschersitz mit Ihrem Angehörigen in ruhigen Momenten, nicht erst im Notfall. Was im Alltag sitzt, lässt sich im Anfall viel leichter abrufen.

Genauso wichtig ist Bewegung. Schonung erscheint naheliegend, schwächt aber die Muskeln zusätzlich und verstärkt die Atemnot auf Dauer. Angepasstes Training, etwa in einer Lungensportgruppe oder über Physiotherapie, erhält die Belastbarkeit. Ich rate zu kleinen, regelmäßigen Bewegungseinheiten und zu ruhigen, planbaren Abläufen, die der Atmung Spielraum lassen.

Sauerstofftherapie zu Hause und Medikamente sicher begleiten

Schreitet die COPD weit fort, sinkt der Sauerstoffgehalt im Blut dauerhaft ab. Dann kann eine Langzeit-Sauerstofftherapie nötig werden. Sie versorgt den Körper über einen dünnen Schlauch unter der Nase mit zusätzlichem Sauerstoff und entlastet das Herz. Wichtig ist die konsequente Anwendung. Laut Lungeninformationsdienst wirkt eine Sauerstofftherapie zu Hause nur bei mindestens 16 Stunden täglich, anzustreben sind 24 Stunden.

Ob eine solche Therapie angezeigt ist, klärt eine Blutgasanalyse beim Lungenfacharzt. Die Geräte und der Sauerstoff werden ärztlich verordnet. In der Pflege geht es vor allem darum, die Anwendung über den Tag zu sichern, die Nasenbrille richtig zu platzieren und auf wunde Stellen an Nase und Ohren zu achten.

Ein eigenes Augenmerk verdienen die Medikamente. Die meisten Wirkstoffe gegen COPD werden inhaliert, also direkt in die Atemwege gebracht. Die richtige Inhalationstechnik entscheidet darüber, ob der Wirkstoff überhaupt ankommt. Lassen Sie sich Gerät und Ablauf in der Apotheke oder Praxis genau zeigen. Wie Sie die verschiedenen Präparate übersichtlich ordnen und Einnahmen zuverlässig im Blick behalten, lesen Sie im Beitrag zum Medikamentenmanagement.

Wichtig zu wissen: Sauerstoffgabe, Inhalationen und das Richten von Medikamenten kann ein Pflegedienst als häusliche Krankenpflege übernehmen. Diese medizinische Behandlungspflege nach § 37 SGB V zahlt die Krankenkasse, sie setzt eine ärztliche Verordnung voraus und ist nicht an einen Pflegegrad gebunden.

Infekten vorbeugen und mit dem Rauchen aufhören

Atemwegsinfekte sind der häufigste Auslöser akuter Verschlechterungen. Ein Großteil der COPD-Schübe geht auf einen Infekt zurück. Infektschutz ist deshalb keine Nebensache, sondern eine der wirksamsten Pflegeaufgaben. Gründliche Handhygiene, Abstand zu Erkälteten in der Infektsaison und gut gelüftete Räume senken das Risiko spürbar.

Eine zentrale Säule sind Impfungen. Wie der Lungeninformationsdienst zusammenfasst, empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut Menschen mit COPD einen abgestimmten Schutz gegen die wichtigsten Atemwegserreger. Welche Impfungen das im Einzelnen sind, zeigt die folgende Tabelle.

ImpfungEmpfehlung bei COPD
Grippe (Influenza)jährlich im Herbst
Pneumokokkeneinmalig, schützt vor Lungenentzündung
COVID-19Grundschutz plus jährliche Auffrischung im Herbst
RSVfür alle ab 75 Jahren, ab 60 Jahren bei COPD als Risikogruppe
Gürtelrose (Herpes zoster)für Betroffene ab 60 Jahren

Den größten Einfluss auf den Verlauf hat ein Rauchstopp. Mit dem Rauchen aufzuhören ist die einzige Maßnahme, die das Fortschreiten der COPD nachweislich bremst. Das gilt in jedem Stadium und unabhängig vom Alter. Unterstützung bieten ärztliche Beratung, Tabakentwöhnungskurse und Angebote der Krankenkassen. Aus meiner Erfahrung gelingt der Ausstieg leichter, wenn das ganze Umfeld mitzieht und niemand mehr in der Wohnung raucht.

COPD im Alter und der passende Pflegegrad

COPD trifft vor allem ältere Menschen. Im höheren Alter kommen oft weitere Erkrankungen wie eine Herzschwäche hinzu. Gerade bei COPD im Alter summieren sich die Einschränkungen, der Hilfebedarf wächst dann über die Jahre. Mit einem anerkannten Pflegegrad stehen Leistungen der Pflegekasse offen, vom Pflegegeld über Sachleistungen bis zu Entlastungsangeboten.

Aus der Diagnose allein ergibt sich kein bestimmter Pflegegrad. Entscheidend ist, wie selbstständig die Person ihren Alltag noch bewältigt. Der Medizinische Dienst bewertet dafür sechs Lebensbereiche und errechnet daraus die Einstufung. Wie die Begutachtung im Detail abläuft, erklärt der Beitrag zu den Krankheitsbildern in der Pflege. Welche Leistungen je Grad vorgesehen sind, finden Sie im Beitrag zu den Pflegegraden.

Bei COPD zeigt sich der Hilfebedarf vor allem unter Belastung. Waschen, Anziehen oder kurze Wege kosten Luft und damit Kraft, während die Person im Sitzen ruhig wirkt. Genau das wird bei der Begutachtung leicht unterschätzt, wenn der Termin in einem guten Moment stattfindet. Beschreiben Sie der Gutachterin oder dem Gutachter daher genau, bei welchen Tätigkeiten die Luft knapp wird und welche Hilfe dann nötig ist. Halten Sie den Bedarf vorab eine Weile in einem Pflegetagebuch fest. Diese Aufzeichnung belegt den tatsächlichen Aufwand über den Tag.

Fazit: COPD-Pflege heißt Atemnot lindern und Schübe verhindern

Eine COPD bleibt bestehen. Ihre Folgen im Alltag lassen sich jedoch deutlich abmildern. Drei Hebel sind besonders wirksam. Eingeübte Atemtechniken nehmen der akuten Luftnot den Schrecken, ein konsequenter Infektschutz beugt gefährlichen Schüben vor und ein Rauchstopp bremst das Fortschreiten. Achten Sie auf erste Anzeichen einer Verschlechterung und suchen Sie rechtzeitig fachlichen Rat, von der Lungenfachpraxis bis zur Pflegeberatung. Ein sinnvoller nächster Schritt ist der Antrag auf einen Pflegegrad, denn er sichert Entlastung für die Pflege zu Hause.

Quellen

Häufige Fragen

Im Mittelpunkt stehen das Lindern der Atemnot, eingeübte Atemtechniken, ein guter Infektschutz und die zuverlässige Begleitung von Inhalation und Sauerstoff. Bewegung im verträglichen Maß erhält die Kräfte länger.
Bei der COPD-Atemnot helfen Ruhe, die dosierte Lippenbremse und atemerleichternde Haltungen wie der Kutschersitz oder die Torwartstellung. Wer diese Techniken regelmäßig übt, kann sie im Anfall sicher abrufen.
Eine Sauerstofftherapie zu Hause wird nötig, wenn der Sauerstoffgehalt im Blut dauerhaft zu niedrig ist. Das stellt eine Blutgasanalyse fest. Damit sie wirkt, sollte sie täglich mindestens 16 Stunden laufen.
Die STIKO empfiehlt vor allem die jährliche Grippeimpfung, eine Pneumokokken-Impfung sowie Schutz gegen COVID-19 und RSV. Sie senken das Risiko für Atemwegsinfekte, die häufigste Ursache akuter Verschlechterungen.
Eine COPD führt nicht automatisch zu einem bestimmten Pflegegrad. Den Ausschlag gibt die Selbstständigkeit im Alltag, die unter anhaltender Atemnot oft stärker eingeschränkt ist, als ein ruhiger Moment vermuten lässt. Der Bedarf steigt im Verlauf häufig an.

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