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Krankheitsbilder

Palliativpflege und Pflege am Lebensende

Wenn eine Krankheit nicht mehr heilbar ist, beginnt eine neue Aufgabe.

Thomas Eckert24.06.20269 Min. Lesezeit

Wenn eine Krankheit nicht mehr heilbar ist, beginnt eine neue Aufgabe. Palliativpflege sorgt dann dafür, dass ein Mensch möglichst beschwerdefrei und in Würde leben kann, so lange es geht. Dieser Beitrag zeigt Ihnen, was Palliativpflege bedeutet, welche Wege es zu Hause, im Hospiz und im Krankenhaus gibt und wer die Kosten trägt. Außerdem erfahren Sie, wie Sie als Angehörige Halt finden und welche Vorausplanung Ihnen später Entscheidungen abnimmt.

Was Palliativpflege bedeutet

Palliativpflege beginnt dort, wo eine Heilung nicht mehr möglich ist. Das Wort geht auf das lateinische "pallium" zurück, den Mantel. Gemeint ist ein schützendes Umsorgen des kranken Menschen. Das Ziel ist nicht, das Leben um jeden Preis zu verlängern. Im Vordergrund stehen Linderung, Lebensqualität und Würde.

Eine gute Palliativversorgung denkt den Menschen als Ganzes. Sie kümmert sich um körperliche Beschwerden wie Schmerzen, Atemnot, Übelkeit oder Unruhe. Genauso nimmt sie Ängste, seelische Not und die Sorgen der Familie ernst. Dieser umfassende Blick unterscheidet die Palliativpflege von einer rein medizinischen Behandlung.

Eine palliative Begleitung kann bei vielen schweren Erkrankungen sinnvoll werden. Häufig sind es fortgeschrittener Krebs, eine schwere Herz- oder Lungenschwäche, eine weit fortgeschrittene Demenz oder die Folgen eines schweren Schlaganfalls. Welche Krankheitsbilder die Pflege besonders prägen, ordnet unser Beitrag zu den Krankheitsbildern in der Pflege ein.

In der Praxis gibt es zwei Ebenen. Die allgemeine Palliativversorgung leisten Hausärztinnen, Pflegedienste und Pflegeheime im gewohnten Versorgungsalltag. Sie reicht für die meisten Menschen aus. Wird die Versorgung sehr aufwändig, etwa bei schwer beherrschbaren Schmerzen, kommt die spezialisierte Versorgung hinzu. Nach Einschätzung des Deutschen Hospiz- und PalliativVerbands brauchen etwa 10 bis 15 Prozent der Sterbenden diese spezialisierte Begleitung.

Palliativpflege zu Hause: SAPV und allgemeine Versorgung

Die meisten Menschen möchten ihre letzte Lebenszeit zu Hause verbringen. Palliativpflege zu Hause macht das in vielen Fällen möglich. Solange die Beschwerden mit den üblichen Mitteln beherrschbar sind, tragen Hausarzt und Pflegedienst die Versorgung. Pflegerische Maßnahmen wie Wundversorgung oder Medikamentengabe rechnet die Krankenkasse als häusliche Krankenpflege ab (§ 37 SGB V).

Reicht das nicht mehr, greift die spezialisierte ambulante Palliativversorgung, kurz SAPV. Sie richtet sich an Menschen mit einer nicht heilbaren, weit fortgeschrittenen Erkrankung und begrenzter Lebenserwartung, die einen besonders aufwändigen Versorgungsbedarf haben. So beschreibt es § 37b SGB V. Ein speziell ausgebildetes Team aus Ärztinnen und Pflegefachkräften ist rund um die Uhr erreichbar. Es kümmert sich vor allem um Schmerztherapie und Symptomkontrolle und koordiniert alle Beteiligten.

Die SAPV verordnet eine Vertragsärztin oder ein Krankenhausarzt. Den Anspruch darauf hat seit 2007 jeder gesetzlich Versicherte. Wichtig zu wissen: Die SAPV ersetzt die übrige Pflege nicht, sondern ergänzt sie. Pflegegeld und Pflegesachleistungen der Pflegekasse laufen je nach Pflegegrad weiter.

Hospiz und Palliativstation: wenn es zu Hause nicht mehr geht

Manchmal lässt sich die Versorgung zu Hause nicht mehr sicherstellen. Für diese Fälle gibt es zwei stationäre Wege mit sehr unterschiedlicher Ausrichtung.

Ein stationäres Hospiz ist eine kleine Einrichtung mit familiärem Charakter. Es nimmt Menschen auf, deren Erkrankung weit fortgeschritten ist und deren Lebenserwartung sich auf Tage, Wochen oder wenige Monate beschränkt. Voraussetzung ist, dass keine Krankenhausbehandlung nötig ist und die Versorgung zu Hause nicht ausreicht. Eine Ärztin oder ein Arzt bescheinigt die Notwendigkeit. Danach entscheidet die Krankenkasse, geregelt in § 39a SGB V.

Eine Palliativstation ist dagegen eine Abteilung im Krankenhaus. Dorthin kommen Menschen meist nur vorübergehend, etwa um Schmerzen oder andere Symptome neu einzustellen. Ist die Krise überstanden, geht es oft wieder nach Hause oder in eine andere Versorgungsform.

Ambulante Hospizdienste ergänzen beide Wege. Ihre ehrenamtlichen Begleiterinnen und Begleiter besuchen Schwerstkranke und ihre Familien zu Hause, im Pflegeheim oder im Krankenhaus. Sie schenken Zeit, hören zu und entlasten die Angehörigen. Für die Betroffenen ist diese Begleitung kostenfrei.

VersorgungsformWoWofür gedacht
Allgemeine Palliativversorgungzu Hause, im PflegeheimGrundversorgung durch Hausarzt und Pflegedienst
SAPVzu Hause, im Pflegeheim, im Hospizaufwändige Fälle, spezialisiertes Team rund um die Uhr
Ambulanter Hospizdienstzu Hause, im Heim, im Krankenhausehrenamtliche Begleitung von Kranken und Angehörigen
Stationäres Hospizeigene Einrichtungletzte Lebensphase, wenn zu Hause nicht möglich
PalliativstationKrankenhausvorübergehend, zur Einstellung von Symptomen

Wer die Palliativversorgung bezahlt

Die gute Nachricht zuerst. Die Palliativversorgung kostet die Betroffenen in aller Regel nichts. Die SAPV und die häusliche Krankenpflege zahlt die Krankenkasse. Auch die ambulante Hospizbegleitung ist kostenfrei, weil die Krankenkassen die Dienste fördern.

Beim stationären Hospiz teilen sich Kranken- und Pflegekasse den größten Teil der Kosten. Sie tragen 95 Prozent des vereinbarten Tagessatzes. Die restlichen 5 Prozent bringt das Hospiz über Spenden auf. Einen Eigenanteil müssen die Bewohnerinnen und Bewohner seit 2009 nicht mehr zahlen. Das bestätigt auch der GKV-Spitzenverband.

Mein Tipp: Sprechen Sie früh mit dem behandelnden Arzt und der Pflegekasse über die Möglichkeiten. Eine SAPV-Verordnung oder ein Hospizplatz lassen sich nicht von heute auf morgen organisieren.

Beschwerden in der letzten Lebensphase lindern

In den letzten Tagen und Wochen treten oft typische Beschwerden auf. Häufig sind Schmerzen, Atemnot, ein trockener Mund, innere Unruhe und Angst. Auch Hunger und Durst lassen in dieser Phase meist von selbst nach. Das gehört zum Sterben und ist kein Grund, zum Essen oder Trinken zu drängen.

Fast alle diese Beschwerden lassen sich gut lindern. Gegen Schmerzen und Atemnot gibt es wirksame Medikamente, die das Behandlungsteam aufeinander abstimmt. Bei einem trockenen Mund helfen schon feuchte Tupfer, kleine Eisstückchen oder das regelmäßige Befeuchten der Lippen. Gegen Unruhe wirkt häufig eine ruhige, vertraute Umgebung mit gedämpftem Licht und einer bekannten Stimme.

Die Atemnot belastet Angehörige oft am meisten. Ich habe gesehen, wie viel schon Ruhe, frische Luft und eine leicht aufrechte Lagerung bewirken. Ich rate Ihnen, früh mit dem Behandlungsteam zu klären, welche Medikamente für den Notfall bereitliegen und wann Sie sie geben dürfen. Fragen Sie auch, woran Sie Schmerzen erkennen, wenn die kranke Person sich nicht mehr äußern kann. Eine gute Orientierung dazu bietet die Stiftung ZQP.

Pflege am Lebensende: Angehörige begleiten und vorausplanen

Die Pflege am Lebensende fordert Angehörige besonders. In meinem persönlichen Umfeld habe ich erlebt, wie sehr die Nähe zu einem sterbenden Menschen an die eigenen Grenzen führt. Holen Sie sich Unterstützung, bevor die Kraft aufgebraucht ist. Pflegeberatung, Hausarzt, SAPV-Team und Hospizdienst sind genau dafür da.

Genauso wichtig ist es, Wünsche rechtzeitig festzuhalten. Wer früh klärt, welche Behandlungen er möchte und welche nicht, nimmt sich und seinen Angehörigen später schwere Entscheidungen ab. Zwei Dokumente sind dafür zentral. In einer Patientenverfügung legen Sie fest, welche medizinischen Maßnahmen Sie in bestimmten Situationen wünschen. Mit einer Vorsorgevollmacht bestimmen Sie, wer für Sie entscheidet, wenn Sie es selbst nicht mehr können.

Lebt der pflegebedürftige Mensch in einem Pflegeheim, gibt es ein weiteres Angebot. Viele Einrichtungen bieten eine gesundheitliche Versorgungsplanung für die letzte Lebensphase an (§ 132g SGB V). In Ruhe wird dort besprochen, was im Ernstfall geschehen soll. Das Gespräch ist freiwillig und für die Bewohner kostenfrei.

Fazit: Palliativpflege gibt der letzten Lebensphase Halt

Palliativpflege nimmt der letzten Lebenszeit nicht ihre Schwere, aber sie macht sie erträglicher. Wer früh weiß, welche Wege es gibt, kann ruhiger entscheiden. Klären Sie mit dem Hausarzt, ob eine SAPV-Verordnung sinnvoll ist. Halten Sie zugleich Ihre Wünsche schriftlich fest. So bleibt am Ende mehr Raum für das, was wirklich zählt.

Quellen

Häufige Fragen

Palliativpflege ist die lindernde Versorgung bei einer unheilbaren, fortschreitenden Erkrankung. Sie zielt nicht auf Heilung, sondern auf Schmerz- und Symptomkontrolle, Lebensqualität und Begleitung bis zuletzt.
SAPV steht für spezialisierte ambulante Palliativversorgung. Ein speziell ausgebildetes Team versorgt Schwerstkranke zu Hause rund um die Uhr, wenn der Aufwand für die normale Versorgung zu hoch wird. Verordnet wird die SAPV ärztlich.
Die Krankenkasse trägt SAPV und häusliche Krankenpflege. Beim stationären Hospiz übernehmen Kranken- und Pflegekasse 95 Prozent der zuschussfähigen Kosten. Für die Betroffenen bleibt in aller Regel kein Eigenanteil.
Ja. Mit Hausarzt, Pflegedienst und bei Bedarf einem SAPV-Team lässt sich Palliativpflege zu Hause oft bis zuletzt sicherstellen. Ambulante Hospizdienste begleiten zusätzlich kostenfrei.
Ein stationäres Hospiz begleitet Menschen über Wochen oder Monate in ihrer letzten Lebensphase. Eine Palliativstation im Krankenhaus dient meist nur vorübergehend dazu, Symptome neu einzustellen.
Nicht die Erkrankung entscheidet über den Pflegegrad, sondern der konkrete Hilfebedarf im Alltag. Da dieser am Lebensende meist schnell zunimmt, sind eine zügige Einstufung oder Höherstufung möglich.

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