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Pflegende Angehörige

Pflegekurse für Angehörige: kostenlos nach § 45 SGB XI

Wer plötzlich einen Angehörigen pflegt, muss viele Handgriffe lernen, für die es vorher keinen Anlass gab.

Patricia Brunero24.06.20266 Min. Lesezeit

Wer plötzlich einen Angehörigen pflegt, muss viele Handgriffe lernen, für die es vorher keinen Anlass gab. Wie hebe ich rückenschonend, wie lagere ich richtig, wie gehe ich mit Überforderung um? Genau hier setzt der Pflegekurs an, ein kostenloser Anspruch für pflegende Angehörige nach § 45 SGB XI. Ich zeige Ihnen, was ein Pflegekurs vermittelt, wer ihn bezahlt, welche Kursformen es gibt und wie Sie einen passenden Pflegekurs für Angehörige finden.

Was ist ein Pflegekurs nach § 45 SGB XI?

Ein Pflegekurs ist eine Schulung, die Sie auf die Pflege zu Hause vorbereitet und im laufenden Alltag begleitet. Das Gesetz verpflichtet die Pflegekassen, solche Kurse für Angehörige und für ehrenamtlich an der Pflege interessierte Menschen anzubieten (§ 45 SGB XI). Der Kreis der Teilnehmenden ist dabei bewusst weit gefasst. Sie müssen weder verwandt sein noch bereits eine bestimmte Pflegeperson im rechtlichen Sinn.

Ziel ist es, Ihnen praktische Handgriffe zu vermitteln, mit denen Sie die Pflege sicher übernehmen können. Zugleich soll der Kurs helfen, körperliche und seelische Belastungen erst gar nicht entstehen zu lassen. Eine Pflegeschulung ist damit kein theoretischer Vortrag, sondern eine Anleitung für den eigenen Pflegealltag.

Wichtig zu wissen: Die Teilnahme ist freiwillig. Für die Pflege eines Angehörigen brauchen Sie keinen Nachweis über einen Kurs. In manchen Bundesländern ist ein Pflegekurs allerdings Voraussetzung, um als anerkannter Nachbarschaftshelfer tätig zu werden. Die Regeln dazu legt das jeweilige Land fest, fragen Sie im Zweifel bei Ihrer Pflegekasse nach.

Wer hat Anspruch und was kostet ein Pflegekurs?

Anspruch auf einen Pflegekurs hat jeder, der einen Menschen pflegt oder sich ehrenamtlich engagieren möchte. Ein Pflegegrad der gepflegten Person ist dafür nicht nötig. Der Kurs steht Ihnen also schon offen, bevor überhaupt ein Antrag auf einen Pflegegrad läuft.

Die Kosten trägt vollständig die Pflegekasse. Ein nach § 45 SGB XI durchgeführter Pflegekurs ist für Sie kostenlos, eine Zuzahlung gibt es nicht. Wichtig ist nur, dass es sich um einen Kurs nach dieser Vorschrift handelt. Daneben gibt es am Markt kostenpflichtige Angebote, etwa Basiskurse zur Vorbereitung auf eine berufliche Tätigkeit als Pflegehilfskraft. Diese fallen nicht unter den kostenlosen Anspruch.

Ein weiterer Punkt entlastet zusätzlich. Nimmt ein Pflegebedürftiger ab Pflegegrad 1 Leistungen der Pflegeversicherung in Anspruch, zählt der Pflegekurs nach § 45 zum gesetzlichen Leistungskatalog. Er wird also nicht auf Pflegegeld oder Sachleistung angerechnet und kürzt keine anderen Leistungen.

Was lerne ich im Pflegekurs?

Die Inhalte richten sich an Menschen ohne pflegerische Vorbildung. Im Mittelpunkt steht das, was im Alltag wirklich gebraucht wird. Eine Pflegeschulung deckt typischerweise diese Bereiche ab.

  • Körperpflege und Mobilisation. Sie üben das Waschen, das An- und Auskleiden sowie das schonende Umlagern und Aufsetzen.
  • Rückenschonendes Arbeiten. Sie lernen Handgriffe und Hilfsmittel kennen, die Ihren eigenen Rücken bei Heben und Drehen entlasten.
  • Umgang mit Erkrankungen. Viele Kurse gehen auf den Umgang mit Demenz oder mit Bewegungseinschränkungen ein.
  • Selbstfürsorge. Sie bekommen Anregungen, wie Sie eigene Grenzen erkennen und Überlastung vorbeugen.
  • Leistungen und Organisation. Häufig wird auch erklärt, welche Ansprüche bestehen und wie sich der Pflegealltag strukturieren lässt.

Findet die Schulung bei Ihnen zu Hause statt, lässt sich vieles direkt an der konkreten Situation zeigen. Die Pflegekraft kann dann zum Beispiel den richtigen Einsatz vorhandener Hilfsmittel im echten Wohnumfeld erklären. Wie die einzelnen Verrichtungen der Grundpflege Schritt für Schritt ablaufen, beschreibt unser Beitrag zur Grundpflege ausführlich.

Welche Kursformen gibt es?

Pflegekurse werden in unterschiedlichen Formaten angeboten. Welches passt, hängt davon ab, wie viel Zeit Sie haben und ob bereits eine Person zu Hause gepflegt wird.

KursformWoGeeignet für
GruppenkursRäume des Trägers, an mehreren TerminenWer Austausch mit anderen Angehörigen sucht
Einzelschulung zu Hausein der eigenen WohnungWer konkrete Hilfe an der realen Pflegesituation braucht
Online-Pflegekursdigital, zeitlich flexibelWer berufstätig oder zeitlich gebunden ist

Die Einzelschulung in der häuslichen Umgebung ist im Gesetz ausdrücklich vorgesehen. Voraussetzung ist, dass die pflegende Person sie wünscht und die gepflegte Person einwilligt. Die digitalen Pflegekurse sind ein zusätzliches Angebot. Die Pflicht der Kassen, weiterhin Kurse vor Ort durchzuführen, bleibt davon unberührt.

Wo finde ich einen Pflegekurs für Angehörige?

Der erste und meist einfachste Weg führt über Ihre eigene Pflegekasse. Sie ist gesetzlich verpflichtet, Kurse anzubieten. Dabei darf sie die Schulung in eigener Regie übernehmen, an eine geeignete Einrichtung übertragen oder sie zusammen mit weiteren Kassen stemmen. Fragen Sie dort direkt nach dem aktuellen Kursprogramm und nach der Möglichkeit einer Schulung bei Ihnen zu Hause.

Daneben bieten viele Wohlfahrtsverbände wie Caritas, Diakonie, AWO oder das Deutsche Rote Kreuz Pflegekurse an. Auch Volkshochschulen, ambulante Pflegedienste und spezialisierte Online-Portale führen Kurse durch, die nach § 45 SGB XI anerkannt sind. Eine erste Orientierung zu den Leistungen rund um die Pflege gibt außerdem der Online-Ratgeber des Bundesgesundheitsministeriums (Bundesgesundheitsministerium).

Mein Tipp: Verbinden Sie den Kurs mit einer Pflegeberatung. Beides ist kostenlos und ergänzt sich gut, denn die Beratung ordnet Ihre Ansprüche, der Kurs vermittelt das praktische Können. Wie die kostenlose Beratung abläuft und wo Sie sie bekommen, lesen Sie in unserem Beitrag zur Pflegeberatung nach § 7a SGB XI. Auch der Beratungsbesuch beim Pflegegeld nach § 37 SGB XI weist ausdrücklich auf die Möglichkeit dieser Kurse hin (§ 37 SGB XI).

Fazit: der Pflegekurs als Einstieg in eine sichere Pflege

Ein Pflegekurs gibt Ihnen das Handwerkszeug, um die Pflege zu Hause sicherer und mit weniger eigener Belastung zu bewältigen. Der Anspruch ist gesetzlich verankert und kostet Sie nichts, ein Pflegegrad ist dafür keine Bedingung. Der konkrete nächste Schritt ist einfach: Fragen Sie bei Ihrer Pflegekasse nach dem Kursprogramm und klären Sie, ob eine Schulung bei Ihnen zu Hause möglich ist. Weitere Rechte und Entlastungsangebote für die Pflege finden Sie im Beitrag für pflegende Angehörige.


Quellen

Häufige Fragen

Ein Pflegekurs nach § 45 SGB XI ist für Sie kostenlos. Die Pflegekasse trägt die Kosten vollständig, eine Zuzahlung fällt nicht an. Nur Kurse außerhalb dieser Vorschrift, etwa berufsvorbereitende Basiskurse, können kostenpflichtig sein.
Am direktesten über Ihre eigene Pflegekasse, die zur Durchführung verpflichtet ist. Daneben bieten Wohlfahrtsverbände, Volkshochschulen, ambulante Pflegedienste und Online-Portale anerkannte Kurse an.
Eine Pflegeschulung vermittelt praktische Handgriffe wie Waschen, Lagern und rückenschonendes Heben. Dazu kommen der Umgang mit Erkrankungen, Hinweise zur Selbstfürsorge und ein Überblick über Pflegeleistungen.
Nein. Der Anspruch besteht unabhängig vom Pflegegrad und sogar, wenn noch gar kein Antrag läuft. Auch ehrenamtlich Interessierte können teilnehmen.
Ja. Auf Wunsch findet die Schulung als Einzelschulung in der häuslichen Umgebung statt, die gepflegte Person muss dem zustimmen. Zusätzlich bieten die Kassen digitale Pflegekurse an.

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