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Demenz & Alzheimer

Umgang mit Demenzkranken: Kommunikation und Validation im Alltag

Der Umgang mit Demenzkranken verändert sich, je weiter die Erkrankung fortschreitet.

Patricia Brunero24.06.20268 Min. Lesezeit

Der Umgang mit Demenzkranken verändert sich, je weiter die Erkrankung fortschreitet. Logik und Argumente verlieren an Wirkung, die Gefühle und die Beziehung rücken in den Vordergrund. Aus Gesprächen mit Angehörigen habe ich erfahren, wie viel Druck herausfällt, sobald man aufhört, gegen die veränderte Wirklichkeit anzukämpfen. Ich zeige Ihnen, wie wertschätzende Kommunikation gelingt, was hinter dem Begriff Validation steckt und wie Sie auf Aggression, Unruhe und Weglauftendenz ruhig reagieren.

Umgang mit Demenzkranken: die Beziehung trägt, nicht das Korrigieren

Im Umgang mit Demenzkranken hilft eine einfache Einsicht weiter. Sie können den Menschen nicht ändern, wohl aber Ihre eigene Reaktion. Mit fortschreitender Demenz lässt das Kurzzeitgedächtnis nach, Situationen lassen sich schwerer einordnen, und die erkrankte Person erlebt ihre eigene Wirklichkeit. Ständiges Berichtigen führt dann meist nur zu Streit, Scham und schlechter Stimmung.

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft rät deshalb, Betroffene so anzunehmen, wie sie sind, und unnötige Zurechtweisungen zu vermeiden. Wichtig zu wissen: Hinter vielen anstrengenden Verhaltensweisen steckt keine Absicht, sondern ein Bedürfnis oder eine Überforderung. Wer das erkennt, reagiert gelassener und kann die Situation oft entschärfen, bevor sie eskaliert.

Demenz und Kommunikation: die wichtigsten Regeln im Gespräch

Bei der Demenz-Kommunikation entscheiden oft Kleinigkeiten darüber, ob ein Gespräch freundlich und verständlich verläuft. Die folgenden Regeln fassen die Empfehlungen der Deutschen Alzheimer Gesellschaft zusammen und stellen sie dem gegenüber, was Sie besser vermeiden.

Im Gespräch hilftBesser vermeiden
Blickkontakt aufnehmen, bevor Sie sprechenVon hinten ansprechen oder unangekündigt berühren
Kurze, klare Sätze, möglichst eine Aussage pro SatzSchachtelsätze und Fremdwörter
Einfache Fragen, die sich mit Ja oder Nein beantworten lassenOffene Fragen mit vielen Möglichkeiten
Zwei Angebote zur Auswahl stellen, etwa „Möchtest du Apfelkuchen oder Schokotorte?“Eine große Auswahl auf einmal anbieten
Worte durch Gesten, Mimik und Berührung ergänzenRein sachliche, kühle Ansprache
Geduld, Wertschätzung und positive ThemenKritik, Diskussionen und Zurechtweisungen

Den Punkt mit der Körpersprache möchte ich noch unterstreichen. Menschen mit Demenz deuten nonverbale Signale zunehmend falsch und lassen sich von der Stimmung ihres Gegenübers anstecken. Treten Sie deshalb nie von hinten an Betroffene heran und berühren Sie sie nicht ohne Vorankündigung, sonst lösen Sie leicht Angst aus (Bundesgesundheitsministerium, Wegweiser Demenz). Eine kompakte Übersicht der Gesprächsregeln bietet das Plakat „11 Tipps zur besseren Verständigung“ der Deutschen Alzheimer Gesellschaft.

Validation bei Demenz: Gefühle anerkennen statt widersprechen

Validation bei Demenz bedeutet, die Gefühle und die innere Wirklichkeit der erkrankten Person ernst zu nehmen, ohne sie zu bewerten oder zu berichtigen. Die Methode geht auf die US-amerikanische Gerontologin Naomi Feil zurück. In Deutschland ist vor allem die Integrative Validation nach Nicole Richard verbreitet, die stärker die vorhandenen Fähigkeiten und Gefühle in den Mittelpunkt rückt.

Der praktische Kern lässt sich gut an einem Beispiel der Deutschen Alzheimer Gesellschaft zeigen. Eine 85-Jährige drängt darauf, schnell nach Hause zu müssen, weil ihre Mutter mit dem Essen warte. Der Hinweis, dass die Mutter längst verstorben sei, hilft hier nicht weiter und verletzt nur. Besser ist es, das Gefühl dahinter aufzugreifen und ins Gespräch zu gehen, etwa mit der Frage, ob die Mutter denn gut koche.

Für den Alltag haben sich einige Grundregeln bewährt. Sprechen Sie die Person von vorne und auf Augenhöhe an. Greifen Sie das Gefühl auf, nicht den sachlichen Inhalt. Verzichten Sie auf „Warum“-Fragen, weil sie eine Erklärung verlangen, zu der die erkrankte Person nicht mehr in der Lage ist. Geben Sie Zeit und bleiben Sie ehrlich, denn vorgespieltes Verhalten spüren viele Betroffene.

Eines sollten Sie dabei wissen. Der wissenschaftliche Wirksamkeitsnachweis der Validation ist begrenzt. Viele pflegende Angehörige und Fachkräfte berichten aber, dass sich Verständigung und Stimmung spürbar verbessern. Ich rate, die Haltung dahinter zu übernehmen und weniger auf eine starre Technik zu schauen.

Feste Routinen und weniger Reize: Sicherheit im Alltag

Verlässliche Abläufe nehmen Unsicherheit. Ein gleichbleibender, überschaubarer Tagesablauf, helles Licht und beleuchtete Wege in der Nacht erleichtern die Orientierung. Eine gut lesbare Uhr und ein Kalender mit markiertem Datum helfen bei der zeitlichen Einordnung. Behalten Sie Gewohnheiten so weit wie möglich bei, das gibt zusätzlich Halt.

Genauso wichtig ist es, störende Reize zu reduzieren. Ein laufender Fernseher, Stimmen aus dem Radio oder das eigene Spiegelbild können verkannt werden und Verwirrung auslösen. Eine ruhige, gut ausgeleuchtete Umgebung beugt Angst und Anspannung vor. Erhalten Sie zugleich die Eigenständigkeit, indem Sie Handlungen in kleine Schritte aufteilen und nur dort helfen, wo es nötig ist.

Herausforderndes Verhalten: Aggression, Unruhe und Weglauftendenz

Aggression bei Demenz ist in aller Regel kein böser Wille, sondern ein Affekt. Das erkrankte Gehirn verliert die Fähigkeit zu geplantem, absichtsvollem Handeln. Angst, Schmerz, Überforderung oder Scham, etwa bei der Intimpflege, können das Verhalten auslösen. In der stationären Pflege zeigt nach einem Bericht des Bundesgesundheitsministeriums ein erheblicher Teil der Erkrankten zeitweise körperlich aggressives Verhalten, die Spanne liegt zwischen 31 und 42 Prozent.

In der akuten Situation hilft es, ruhig zu bleiben und die Vorwürfe nicht auf sich zu beziehen. Versuchen Sie, abzulenken und das Thema zu wechseln. Suchen Sie anschließend nach dem Auslöser, um die Situation künftig zu vermeiden. Fühlen Sie sich bedroht, denken Sie an Ihre eigene Sicherheit, verlassen Sie den Raum und holen Sie im Notfall Hilfe.

Auch Unruhe und das ständige Umhergehen haben fast immer einen Grund. Im sogenannten Wandern drückt sich oft die Suche nach Vertrautem aus, nach einem Menschen, einem Gegenstand oder schlicht nach Geborgenheit. Hindern Sie die Person nicht am Gehen, sondern sorgen Sie für eine sichere Umgebung und eine ruhige Atmosphäre. Bei einer Weglauftendenz, die sich auch auf die Nacht ausdehnen kann, geben gute Beleuchtung, klare Wege und feste Schlafzeiten Halt.

Entlastung für pflegende Angehörige

Die Pflege eines Menschen mit Demenz zieht sich meist über Jahre und kostet viel Kraft. Damit Sie nicht selbst ausbrennen, sollten Sie Unterstützung früh annehmen und nicht erst in der Krise. Beratungsstellen, Angehörigengruppen und Entlastungsangebote vor Ort nehmen Druck heraus und geben praktisches Wissen. Welche Beschäftigungen guttun und wie sich Pflege und Beruf vereinbaren lassen, sind eigene große Themen, die den Alltag spürbar erleichtern.

Eine niedrigschwellige erste Anlaufstelle ist das Alzheimer-Telefon der Deutschen Alzheimer Gesellschaft unter 030 259 37 95 14. Dort erhalten Sie Rat und Hinweise auf Hilfen in Ihrer Nähe. Einen Überblick zu Formen, Symptomen und Verlauf der Demenz finden Sie zudem im allgemeinen Demenz-Ratgeber dieses Portals.

Fazit: der Umgang mit Demenzkranken beginnt bei Ihrer Haltung

Der wirksamste Hebel liegt nicht darin, die erkrankte Person zu verändern, sondern Ihre eigene Reaktion. Wer Gefühle anerkennt, einfach und zugewandt spricht und Auslöser für schwieriges Verhalten sucht, erlebt deutlich ruhigere Tage. Mein konkreter Tipp für den Anfang: Suchen Sie sich frühzeitig Unterstützung und üben Sie die Gesprächsregeln in kleinen, alltäglichen Situationen ein. So wächst die Sicherheit auf beiden Seiten.

Quellen

Häufige Fragen

Nehmen Sie zuerst Blickkontakt auf und sprechen Sie in kurzen, klaren Sätzen. Stellen Sie einfache Fragen, die sich mit Ja oder Nein beantworten lassen, und bieten Sie höchstens zwei Möglichkeiten zur Auswahl an. Gesten, Mimik und ein freundlicher Tonfall unterstützen das Verstehen mehr als viele Worte.
Validation ist eine Kommunikationsmethode, die die Gefühle und die eigene Wirklichkeit der erkrankten Person anerkennt, statt sie zu korrigieren. Sie geht auf Naomi Feil zurück, in Deutschland ist die Integrative Validation nach Nicole Richard verbreitet. Statt zu widersprechen, greifen Sie das Gefühl hinter einer Aussage auf.
Bleiben Sie ruhig und beziehen Sie das Verhalten nicht auf sich, denn es wird durch die Krankheit ausgelöst. Lenken Sie in der akuten Situation ab und wechseln Sie das Thema. Danach lohnt es sich, den Auslöser zu suchen, um ähnliche Situationen künftig zu vermeiden. Fühlen Sie sich bedroht, holen Sie Hilfe.
Hindern Sie die Person nicht grundsätzlich am Gehen, sondern sorgen Sie für eine sichere und ruhige Umgebung. Häufig steckt hinter dem Umhergehen die Suche nach Sicherheit oder nach etwas Vertrautem. Feste Abläufe, gute Beleuchtung und klare Wege geben Halt, auch in der Nacht.
Nehmen Sie Unterstützung früh in Anspruch, etwa über Beratungsstellen, Angehörigengruppen und Entlastungsangebote vor Ort. Das Alzheimer-Telefon der Deutschen Alzheimer Gesellschaft (030 259 37 95 14) ist eine gute erste Anlaufstelle. Wer sich rechtzeitig Hilfe holt, bleibt selbst länger gesund und belastbar.

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