
Demenzformen: Alzheimer, vaskuläre, Lewy-Body und frontotemporale Demenz
Demenz ist nicht gleich Demenz. Hinter dem Oberbegriff stecken verschiedene Demenzformen, die sich in den ersten Anzeichen, im Verlauf und in der Behandlung deutlich unterscheiden.
Demenz ist nicht gleich Demenz. Hinter dem Oberbegriff stecken verschiedene Demenzformen, die sich in den ersten Anzeichen, im Verlauf und in der Behandlung deutlich unterscheiden. Wer die wichtigsten Formen kennt, ordnet Symptome besser ein und versteht ärztliche Befunde leichter. Ich stelle Ihnen die vier häufigsten Demenzformen vor, von Alzheimer über die vaskuläre und die Lewy-Body-Demenz bis zur frontotemporalen Demenz. Dabei zeige ich Ihnen, woran man die Formen unterscheidet.
Welche Demenzformen gibt es? Ein Überblick
Demenz ist ein Sammelbegriff für mehr als 50 Krankheitsbilder, die mit einem fortschreitenden Verlust geistiger Fähigkeiten einhergehen. Der weitaus größte Teil davon, etwa vier von fünf Fällen, beruht auf einem fortschreitenden Untergang von Nervenzellen im Gehirn (Deutsche Alzheimer Gesellschaft). Solche Erkrankungen fassen Fachleute unter dem Begriff neurodegenerativ zusammen.
Praktisch bedeutsam sind vor allem vier Demenzformen: die Alzheimer-Krankheit, die vaskuläre Demenz, die Lewy-Körperchen-Demenz und die frontotemporale Demenz. Dazu kommen Mischformen und eine Reihe seltenerer Ursachen. Wann überhaupt von einer Demenz gesprochen wird und wie sich erste Anzeichen erkennen lassen, lesen Sie in unserem Beitrag Demenz erkennen und Pflegegrad sichern.
Alzheimer: die häufigste Demenzform
Unter allen Demenzformen kommt die Alzheimer-Krankheit am häufigsten vor. Schätzungsweise sechs bis sieben von zehn Erkrankten sind von ihr betroffen. Zu Beginn steht das Gedächtnis im Vordergrund. Vor allem das Kurzzeitgedächtnis lässt nach, frisch Erlebtes bleibt nicht haften. Im weiteren Verlauf kommen Störungen der Orientierung, der Sprache und des Urteilsvermögens hinzu.
Welche zehn Frühsymptome für eine beginnende Alzheimer-Demenz typisch sind und wie man sie von normaler Vergesslichkeit abgrenzt, beschreiben wir ausführlich im Beitrag zu den Alzheimer-Symptomen.
Vaskuläre Demenz: wenn die Durchblutung leidet
Die vaskuläre Demenz folgt in der Häufigkeit direkt auf Alzheimer. Ihr liegt eine gestörte Blutversorgung des Gehirns zugrunde, in deren Folge Nervenzellen absterben. Je größer der unterversorgte Bereich, desto schwerer fällt in der Regel die Demenz aus.
Am weitesten verbreitet ist eine Schädigung der feinen Gefäße tief im Gehirn. Der größte Treiber dahinter ist ein dauerhaft zu hoher Blutdruck. Weil diese Variante meist langsam einsetzt und sich nach und nach verstärkt, wird sie leicht mit Alzheimer verwechselt. Die Beschwerden sehen jedoch anders aus. Statt des Gedächtnisses leiden zuerst das Denktempo, die Konzentration und die seelische Ausgeglichenheit.
Daneben gibt es die seltenere Multi-Infarkt-Demenz, die auf mehrere kleine Schlaganfälle zurückgeht. Sie setzt häufig abrupt ein und verschlechtert sich in deutlichen Stufen. Oft treten zusätzlich körperliche Ausfälle auf, von Taubheitsgefühlen bis zu Lähmungen. Begünstigt wird die vaskuläre Demenz insgesamt durch dieselben Faktoren, die auch Herz und Gefäße belasten, etwa Diabetes, erhöhte Blutfette, Rauchen, Übergewicht und Bewegungsmangel.
Wichtig zu wissen: Gerade weil sich viele dieser Auslöser behandeln lassen, ist die vaskuläre Demenz die einzige der großen Formen, der man aktiv entgegenwirken kann. Wer Blutdruck, Blutzucker und Blutfette im Griff behält, senkt das Risiko spürbar.
Lewy-Body-Demenz: Halluzinationen und Parkinson-Symptome
Die Lewy-Body-Demenz, auch Lewy-Körperchen-Demenz genannt, lässt sich im Alltag oft nur schwer von Alzheimer trennen, weil sich die Krankheitsbilder überschneiden. Drei Auffälligkeiten gelten als wegweisend. Wachheit und Konzentration sind unbeständig und können innerhalb von Stunden umschlagen. Dazu kommen optische Halluzinationen, also lebhafte Sinnestäuschungen, bei denen Betroffene nicht vorhandene Dinge sehen. Hinzu treten leichte Parkinson-Zeichen wie zitternde Hände und ein steifer, verlangsamter Gang.
Diese Merkmale müssen nicht alle gemeinsam vorkommen. Stürze und kurze Ohnmachten gehören ebenfalls zum Bild. Klassische Antidementiva wirken bei dieser Form vergleichsweise gut.
Mein Tipp: Weisen Sie das Behandlungsteam vor dem Einsatz von Neuroleptika unbedingt auf die Lewy-Body-Demenz hin. Auf diese Wirkstoffgruppe sprechen Erkrankte empfindlich an, sodass ein unbedachter Einsatz gefährlich werden kann.
Frontotemporale Demenz: Verhalten und Sprache verändern sich
Bei der frontotemporalen Demenz sterben die Nervenzellen zuerst in den vorderen und seitlichen Bereichen des Gehirns ab, also im Stirn- und im Schläfenlappen. Das erklärt, warum sie sich anders ankündigt als Alzheimer. Am Anfang steht meist nicht das Gedächtnis, sondern eine Veränderung von Verhalten und Persönlichkeit oder eine fortschreitende Sprachstörung. Betroffene wirken teilnahmslos, enthemmt oder sozial unangepasst, ohne dass sie das selbst bemerken.
Die frontotemporale Demenz beginnt häufiger als andere Formen schon vor dem 65. Lebensjahr. Gerade weil die ersten Zeichen ins Verhalten fallen, wird sie anfangs leicht für eine psychische Erkrankung gehalten. Eine fachärztliche Abklärung ist deshalb besonders wichtig.
Mischformen und seltene Ursachen
In der Praxis treten Demenzformen oft nicht in Reinform auf. Gerade im höheren Alter finden sich häufig Mischformen, vor allem aus Alzheimer und vaskulärer Demenz. Auch die Lewy-Body-Demenz und die Alzheimer-Krankheit sind so ähnlich, dass sich das Ausmaß von Mischformen kaum sauber bestimmen lässt.
Daneben gibt es seltenere Ursachen einer Demenz. Dazu zählen die Demenz bei Morbus Parkinson, das durch jahrelangen Alkoholkonsum ausgelöste Korsakow-Syndrom und die sehr seltene Creutzfeldt-Jakob-Krankheit. Diese Formen sind insgesamt deutlich seltener als die vier großen Demenzformen.
Demenzformen im Vergleich
Im direkten Vergleich werden die Unterschiede der vier häufigsten Demenzformen deutlich. Vor allem das Frühstadium verrät oft, um welche Form es sich handelt.
| Form | Erste Anzeichen | Verlauf | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Alzheimer | Gedächtnisstörungen, vor allem Kurzzeitgedächtnis | langsam, schleichend | häufigste Form, 60 bis 70 Prozent |
| Vaskuläre Demenz | verlangsamtes Denken, Konzentrations- und Stimmungsprobleme | schleichend oder stufenweise | Risikofaktoren teils behandelbar |
| Lewy-Body-Demenz | schwankende Wachheit, optische Halluzinationen | stark schwankend | Überempfindlichkeit gegen Neuroleptika |
| Frontotemporale Demenz | Veränderungen von Verhalten, Persönlichkeit, Sprache | langsam | oft Beginn vor dem 65. Lebensjahr |
Wie sich die Formen diagnostisch voneinander abgrenzen lassen und welche Tests dabei zum Einsatz kommen, beschreiben wir im Beitrag zur Demenz-Diagnose.
Welche Hilfe gibt es? Kurz zum Pflegegrad
Unabhängig von der Demenzform hängen die Leistungen der Pflegeversicherung am Pflegegrad. Entscheidend ist nicht die Diagnose, sondern wie selbstständig der Alltag noch gelingt. Auch wer körperlich fit ist, aber Aufsicht und Anleitung braucht, kann einen hohen Pflegegrad erhalten. Wie die Einstufung bei einer Demenz abläuft und welche Leistungen besonders helfen, lesen Sie im Beitrag zum Pflegegrad bei Demenz.
Fazit: Demenzformen erkennen und richtig einordnen
Die vier häufigsten Demenzformen unterscheiden sich vor allem in ihren ersten Anzeichen. Mal steht das Gedächtnis im Vordergrund, mal das Verhalten, mal Halluzinationen oder ein verlangsamtes Denken. Diese Unterschiede sind kein Selbstzweck. Sie bestimmen, welche Behandlung hilft und worauf Angehörige im Alltag achten sollten. Bei anhaltenden Auffälligkeiten ist der Hausarzt die richtige erste Anlaufstelle. Von dort führt der Weg bei Bedarf weiter in eine neurologische Praxis oder eine Gedächtnissprechstunde, wo sich die Form genauer bestimmen lässt.
Quellen
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